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1871—3
Vasolt sprach: ich wil mich ergeben du solt mir lazen hie min leben wan du häst mich betwungen.
Der Gedanke liegt nahe, dass Vasolt's Kraft in seinen Haaren gelegen ist und diese ursprüngliche mythische An- schauung im Verlaufe der Sagenentwickelung mehr und mehr verdunkelt worden ist. Allerdings lässt diese Ver- mutung sich durch kein aus germanischer Anschauung ent- standenes Beispiel stützen.! Die bei Laistner, Räthsel der Sphinx, II. 41 und 45 angeführten Beispiele von zauberischer Wirkung weiblicher Tracht gehören m. E. nicht hierher. Ich halte aber dafür, dass das Fehlen ähnlicher Züge keine Be- rechtigung bietet, eine aus inneren Gründen erschlossene mythische Form zu verdächtigen und glaube, dass in der deutlich erkennbaren hohen Bedeutsamkeit, die das Frauen- haar für Vasolt hat, eine symbolisierte Naturanschauung ver- borgen ist.²
Wenn ich hierauf fussend in den Zöpfen die sturm- gebärende, flatternde Wolke erblicke, so ist damit ein Er- klärungsversuch gegeben, der wenigstens dem Versinnlichungs- vermögen mythenbildender Urzeit gemäss erscheint. Unserer Ansicht von Wesen und Wirkung des Frauenhaares bei Vasolt widerspricht nicht die Erneuerung des Kampfes mit Dietrich. LE 196— 199. Es scheint nämlich, dass hier ur— sprünglich eine mythische Neukräftigung voraufging, deren verblasste Andeutung ich in den Versen L 1975— finde.
5) Ecken herz ist in dich gevarn
9) ich wen die zwöne tuont mir leit hie, zwär daz solt du miden und solt den ein geselleu län.
Ich verzichte darauf, aus fremden Mythenkreisen naheliegende Parallelen anzuführen.
* Damit ist natürlich ausgeschlossen, dass die Z. für eine damalige in kleinerem oder grösserem Umfange übliche Männertracht zeugen wie Schultz a. a. O. annimmt.


