8 Die Entwickelung des evangeliſchen Kirchenlieds
Erſter Abſchnitt.
Die Entwickelung des evangeliſchen Firchenlieds von Cuther bis zum Ende des 17. Zahrhunderts.
Dies iſt die Zeit des gemeindemäßigen Kirchenliedes, in welchem die zum Gottesdienſt verſammelte Gemeinde dankend, lobend, bekennend, bittend vor Gott tritt. Das Lied iſt Ge⸗ ſangsgebet der Gemeinde, zwar von Einzelnen erfunden, aber aus dem Bewußtſein und aus der Stimmung, aus dem Glauben und aus dem Gedankenkreiſe der Chriſtengemeinde heraus em⸗ pfunden und geſungen.
Vorbild iſt dem Inhalt nach der Pſalter, denn„Wo findet man feinere Worte von Freuden, denn die Lobpſalmen und Dankpſalmen haben? Da ſiehſt du allen Heiligen ins Herze wie in ſchöne, luſtige Gärten, ja wie in den Himmel, wie feine, herzliche, luſtige Blumen darin aufgehen von allerlei ſchönen, fröhlichen Gedanken gegen Gott und ſeine Wohlthat. Wiederum, wo findeſt du tiefere, kläglichere, jämmerlichere Worte von Traurigkeit, denn die Klagepſalmen haben? Da ſiehſt du abermals allen Heiligen ins Herz wie in den Tod, ja wie in die Hölle. Wie finſter und dunkel iſt's da von allerlei Anblick des Zorns Gottes. Alſo auch, wo ſie von Furcht und Hoffnung reden, brauchen ſie ſolche Worte, daß dir kein Maler alſo könnte die Furcht oder Hoffnung abmalen, und kein Cicero oder Redekundiger alſo vorbilden. Und wie geſagt, iſt das das allerbeſte, daß ſie ſolche Worte gegen Gott und mit Gott reden, welches macht, daß zwiefältiger Ernſt und Leben in den Worten ſind“(Luther).
Vorbild der Form nach iſt das deutſche Volkslied— denn deutſch nach Sprachform und Melodie ſollte das Lied der Gemeinde ſein, ein„deutſcher Pſalm“ nach Wort und Weiſe.
Die litterariſchen Markſteine der Entwickelung bilden das „Enchiridion“ von 1524(„Fünfundzwanzig⸗Liederbuch“), und das Darmſtädter Cantional von 1687, das ſchon in die neue Zeit hineinragt.
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