12 Erſtes Kapitel.
aufgeblaſene und eidbrüchige Berengar von Tours, welcher von unfähr 1015 bis 1088 lebte. Doch kehrte dieſer Unglückliche noch 8 Jahre vor ſeinem Tode zur wahren Lehre zurück, und ſtarb als reuevolles Kind der katho⸗ liſchen Kirche. Was er aber ausgeſtreut, das wucherte im Stillen fort, und einige Jahrzehnte darnach zeigte ſich die Frucht davon in der überaus gott⸗ und ſitten⸗ loſen Sekte der Albigenſer, welche alle Unzucht für er⸗ laubt, dagegen das Amt der heiligen Meſſe für ver⸗ werflich hielten, namentlich, wenn es in Gegenwart von nur wenigen Perſonen geſchah. Wir leſen viele Greuel, die ſie namentlich den Prieſtern zufügten, welche dieſes höchſte Opfer dem ewigen Vater darbrachten. Der gott⸗ ſelige Cäſarius von Heiſterbach, ein Zeitgenoſſe dieſer Ereigniſſe,(geſtorben um das Jahr 1240), erzählt uns folgende Geſchichte(Lib. 7. c. 24.):
17. Die Albigenſer verfolgten mit den ſchärfſten Strafen die— Privatmeſſe leſenden Prieſter. Ein from⸗ mer, für die Ehre und den Ruhm des höchſten Opfers glühender Prieſter aber ließ ſich trotz aller Verbote und Drohungen nicht abhalten, ſein Amt zu verrichten. Als dieß die Ketzer erfuhren, ließ die Obrigkeit dieſen frem⸗ men Mann durch Gerichlsdiener vor den Rath führen, der ſprach:„Es iſt uns als wahr hinterbracht worden, daß du gegen unſer ernſtliches Verbot eine Privatmeſſe geleſen, und einen großen Frevel begangen haſt, deß⸗ wegen haben wir dich hieher bringen laſſen, und wollen von dir vernehmen, ob dem alſo ſei.“ Der Prieſter ſprach ohne Scheu:»Ich antworte mit den heiligen Apoſteln, welche, als ſie von dem jüdiſchen Rathe be⸗ fragt wurden, ob ſie wider ſein Verbot von Chriſtus gepredigt hätten, ſprachen: man muß Gott mehr ge⸗


