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Erklärung des heiligen Meßopfers : ein Haus- und Gebetbuch / von dem ehrwürdigen Pater Martin von Cochem, aus dem Kapuziner-Orden
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4 Erſtes Kapitel.

Kirche wäre dann in dieſem Stücke hinter dem Juden⸗ thume zurück, welches doch ſo herrliche Sacrificien hatte, daß ſogar vornehme Heiden von fernen Ländern kamen, dieſen jüdiſchen Gottesdienſt zu ſehen, und einige heid⸗ niſche Könige die Koſten beſtritten, weſche zu dieſem Gottesdienſte erfordert wurden, wie 11. Mach. 3. zu leſen iſt.

5. Was für ein Sacrificium Chriſtus ſeiner Kirche gegeben oder verordnet habe, das lehrt uns die heilige katholiſche Kirche in der letzten allgemeinen Kirchenver⸗ ſammlung zu Trient, Sess. 22. c. I, indem ſie ſpricht: Weil im alten Teſtamente, nach dem Zeugniß des heiligen Paulus, Heb. c. 7., wegen Schwäche des Le⸗ vitiſchen Prieſtecthums nichts vollkommen war, ſo er⸗ ſchien es als nothwendig, daß unter der Anordnung des Vaters der Barmherzigkeit ein neuer Prieſter nach der Ordnung des Melchiſedech ſich erhöbe, unſer Herr Jeſus Chriſtus, der alle, ſo opfern mußten, vervollkomm⸗ nen und zur Vollendung führen könnte. Indem ſich alſo derſelbe Herr und unſer Gott, obwohl er ſich nur Ein⸗ mal durch ſein Sterben auf dem Altare des Kreuzes zur immerwährenden Erlöſung darbringen, jedoch durch dieſen Tod ſein Prieſterthum keineswegs zerſtören wollte, indem er ſich alſo, ſage ich, beim letzten Abendmahle, ehe er verrathen wurde, zum Prieſter für ewig nach der Ordnung des Melchiſedech erklärte, brachte er ſeinen Leib und ſein Blut unter den Geſtalten von Brod und Wein Gott dem Vater dar, um damit ſeiner geliebten Braut der Kirche ein ſichtbares Sacrificium, denn ſo fordert es die menſchliche Natur, zu hinterlaſſen, wo durch jenes blutige, am Kreuze nur Einmal darzubringende Opfer, dargeſtellt werden, das Andenken an dasſelbe