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Erklärung des heiligen Meßopfers : ein Haus- und Gebetbuch / von dem ehrwürdigen Pater Martin von Cochem, aus dem Kapuziner-Orden
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Von der Weſenheit der heiligen Meſſe. 3

durch dieſes Geſetz der Natur angetrieden, den Götzen⸗ bildern, welche ſie für wahre Götter gehalten, Sacri⸗ ficien oder göttliche Opfer dargebracht. Den Iſraeliten aber hat es Gott im Geſetze befohlen, daß ſie Ihm täglich, und an allen hohen Feſttagen beſonders feierlich, göttliche Opfer entrichten ſollten. Sie ſollten ihm die Lämmer, Schafe, Kälber und Ochſen nicht bloß verehren und aufopfern, ſondern ſie ſollten die genannten Thiere durch die geweihten Prieſter unter gewiſſen Gebeten und Ceremonien darbringen, ſie ſchlachten, ihnen die Haut abziehen, das Blut um den Altar ausgießen, das Fleiſch auf dem Altare verbrennen, und während deſſen die Poſaunen blaſen und Pſalmen ſingen. Dieß waren die jüdiſchen Sacrificien oder Opfer, durch weiche ſie dem höchſten Gott die gebührende Ehre erweiſen, und da⸗ durch bezeugen wollten, daß Gott der wahre Herr aller Kreaturen ſei.

4. Weil denn das Sacrificium in der Natur des Menſchen ſo tief begründet iſt, daß alle Völker und Nationen neben den Gebeten, Geſängen, Almoſen, Buß⸗ werken und Gottesdienſten dasſelbe hatten, durch welches ſie dem höchſten Gotte, oder ihren vermeinten Göttern die gebührende Ehre erwieſen: ſo ſchien es in gleicher Weiſe nothwendig, daß auch Chriſtus ſeiner Kirche, d. h. den wahren Gläubigen, ein Sacrificium oder äußern Gottesdienſt verordnete, durch welchen ſie ihrem Gott die gebührende Ehre geben, und ihm den größten Ge⸗ fallen erweiſen könnten. Es wird ſich kein vernünftiger Menſch denken können, daß Chriſtus ſeine Kirche, welche er in allen Dingen auf's vollkommenſte eingerichtet, dieſes höchſten Gottesdienſtes berauben, und in einer ſo hochwichtigen Sache mangelhaft laſſen wollte; denn die

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