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Erklärung des heiligen Meßopfers : ein Haus- und Gebetbuch / von dem ehrwürdigen Pater Martin von Cochem, aus dem Kapuziner-Orden
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2 Erſtes Kapitel.

ein ſo hoher Gottesdienſt, daß er nur allein dem unendlichen Gott, und ſonſt keiner Kreatur gebühre.

2. Daß ein ſolches Sacrificium Gott allein zu⸗ ſtehe, beweiſt der heilige Auguſtinus aus dem allge⸗ meinen Gebrauche aller Völker, indem er lib. 10 de civ. cap. 4. ſpricht:Wer hat jemals daſür gehal⸗ ten, daß man jemand Anderem ſacrificiren oder opfern ſolle, als allein Demjenigen, welchen man für einen Gott erkannt, oder gehalten oder erdichtet hat? Und anderswo, Tom. VI. Lib 1. cap. 18. contra Ad- vers. leg. ſpricht er:Der Teufel würde von den Seinigen kein Sacrificium fordern, wenn er nicht wüßte, doß ſolches dem wahren Gott gebühre. Viele große Herren haben ſich andere Dienſte, welche dem wahren Gott erwieſen werden, ſelbſt zugemeſſen; es ſind aber gar Wenige geweſen, welche befohlen haben, daß man ihnen ſacrificiren, oder göttliche Opfer darbringen ſolle. Diejenigen aber, welche dieß zu thun gewagt haben, haben für Götter gehalten werden wellen. Aus dieſen Worten des heiligen Auguſtinus kannſt du abnehmen, daß das Sacrificium ein göttlicher Dienſt ſei, und keinem Menſchen, noch den Heiligen, noch den Engeln gebühre.

3. Der hl. Thomas von Aquin 2. 2. d. 85. a. 1. ſagt:daß es ein Geſetz der Natur ſei, dem all⸗ mächtigen Gott Sacrificien, oder göttliche Opfer darzu⸗ bringen, und daß der Menſch ſchon von Natur aus ohne ausdrückliches Geſetz und ohne beſondere Ermah⸗ nung dazu angetrieben werde. Dieß ſehen wir an Abel, Noe, Abraham, Job und andern Patriarchen, welche ohne einen göttlichen Befehl aus bloßem Antrieb der Natur Gott Opfer entrichtet haben. Ja nicht bloß die Rechtgläubigen allein, ſondern auch die Heiden haben,