daherkommen zu ſehen, ſagte er lächelnd:„Laß ſehen, was du da trägſt“, und zugleich zog er den Mantel, den ſie über ihre Laſt gelegt, etwas zurück. Wie erſtaunte er aber, als er die herrlichſten rothen und weißen Roſen vorfand, die ſchönſten, die er je geſehen, und zwar zu einer Jahreszeit, wo es längſt keine Blumen mehr gab; zugleich erblickte er über ihrem Haupte ein ſtrahlendes Crucifix. Durch dieſes Wunder gerührt, ließ er an der Stelle, wo dieſes geſchehen, eine Säule mit einem Kreuze errichten zum bleibenden Andenken. Noch heute ſieht man Roſen in großer Zahl auf der Wartburg und um die St. Eliſabeths⸗ kirche in Marburg.
Kein Weg war ihr zu weit, kein Wetter zu ſchlecht, keine Hütte zu widerlich, wenn es galt, Troſt und Hülfe zu bringen. Den Armen und Kranken war ſie ein Engel der Barmherzigkeit. Erfuhr ſie, daß irgend ein Großer ein Unrecht gegen die armen Land⸗ leute beging oder ihnen allzu große Abgaben erpreßte, ſo zeigte ſie es ſogleich ihrem Ge⸗ mahl an und ſuchte auch ſelbſt nach Kräften das Unrecht wieder gut zu machen. Fand ſie in einer Hütte ein neugeborenes Kind in Elend und Noth, ſo ſorgte ſie mütterlich, hüllte dasſelbe in Kleider, die ſie ſelbſt ge⸗ macht, und ſtand ihm bei der hl. Taufe als Pathin bei. In dieſer geiſtlichen Ver⸗ wandtſchaft fand ſie einen Grund mehr, ſolche Kinder lebenslang zu lieben und für ſie zu


