dem Kreuze demüthig mit dem Antlitze zu Boden nieder. Darüber empört machte ihr die Landgräfin Sophie die heftigſten Vor⸗ würfe:„Was heißt das, Jungfer Eliſabeth? Soll Jeder Euer ſpotten? Iſt Euch Eure Krone zu ſchwer, daß Ihr thut wie alte Nonnen, die niederfallen, wie ein müder Gaul?“ Da erhob ſich Eliſabeth und ent⸗ gegnete demüthig:„Liebe Frau, nehmet mir das nicht übel. Hier hängt mein barm⸗ herziger, ſüßer und milder Heiland mit ſpitzen Dornen gekrönt. Meine Krone würde ihn ja verhöhnen, wenn ich vor ihm ſtände mit Gold, Perlen und Edelſteinen geſchmückt.“ Dann warf ſie ſich nieder und fing wieder zu beten und zu weinen an, ſo daß ſie den Zipfel ihres Mantels mit ihren Thränen durchnäßte.
Dieſe und ähnliche Züge ſchürten nur das Feuer der Verachtung, des Haſſes gegen die unſchuldige Jungfrau. Die bitteren Reden und Vorwürfe nahmen zu. Die Verwandten und Hofbeamten erklärten oft und laut, eine ſolche Betſchweſter tauge nicht als Gemahlin für den jungen Landgrafen; man ſolle ſie ihrem Vater nach Ungarn wieder zurück⸗ ſchicken und Landgraf Ludwig ſolle ſich eine reichere Fürſtin mit vornehmeren Manieren zur Gattin ſuchen. Landgräfin Sophie quälte ſie mit biſſigen Worten und wollte ſie nöthigen, in's Kloſter zu gehen; deren Tochter Agnes erklärte ihr bei jeder Gelegenheit, an ihr ſei eine Dienſtmagd verloren gegangen⸗


