abkürze und meinen unſchuldigen Tod hin⸗ nehme für meine Sünden.“ Bei ihrem Er⸗ wachen weinte Eliſabeth, erzählte ihren Traum und hörte nicht auf zu beten, bis die Mutter ihr noch einmal im Schlafe erſchien und ſagte, ſie ſei durch ihr Gebet erlöſt und gehe jetzt ein zum ewigen ſeligen Leben.
Die Sache verhielt ſich ſo: Ihre Mutter Gertrud war die Tochter des edlen Herzogs von Meran und eine Deutſche, die ſich zum Wohle ihrer Unterthanen geſchäftig um die Regierung kümmerte. Da König Andreas ſie ſehr liebte und die Deutſchen, deren es in Ungarn damals ſehr Viele gab, ihretwegen ſchätzte und begünſtigte, ſo kam es unter den ungariſchen Großen zu einer Verſchwörung, welche bezweckte, den König und ſeine Ge⸗ mahlin mit den Kindern umzubringen. Als die edle Königin dies erfuhr, drang ſie in ihren Gemahl, mit den Kindern zu entfliehen. Um ihnen Zeit zur Flucht zu verſchaffen, empfahl ſie ſich der Gnade Gottes, ſtellte ſich muthig den Verſchworenen entgegen und ward grauſam ermordet. So ſchloß ſie ihr junges, unſchuldiges Leben als Martyrin der Liebe zu Gatten und Kinder.
So kurz iſt das Leben, ſo klein die Welt,
So ſchnell fliehen Reichthum und Ehren,
D'rum wvollen wir das, was ewig hälk,
Boll glühender Zehnſuchk begehren.


