Verlobung iſt keine Vermählung und kann noch rückgängig gemacht werden; ferner lag hier ſowohl in den ſchönen Eigenſchaften der jugendlich Verlobten, als auch in der Gewiſſen⸗ haftigkeit der Eltern die Garantie für eine chriſtliche Erziehung und eine vernünftige Ausbildung jener Anlagen und Eigenſchaften, die allein das eheliche Glück bedingen. Steht es etwa beſſer um jene Verbindungen, die ohne, vielleicht ſogar gegen den Rath er⸗ fahrener Eltern eingegangen werden, und wo nur Geld und Gut, körperliche Schönheit oder ſinnliche Liebe den Ausſchlag geben? Aus letzterem Grunde gibt es leider ſo viele unglückliche Ehen.
Kreuz und Leiden haben nicht nur Zu⸗ tritt zu den Hütten der Armen, auch die Pa⸗ läſte der Großen werden nicht verſchont; und gehen ſie auch gewöhnlich an der Kindheit vorüber, ohne weh zu thun, ſo machten ſie doch bei Eliſabeth eine Ausnahme. Wie ſchwer mag das Heimweh ſie anfangs gedrückt, wie viel Thränen ihr ausgepreßt haben! Wie oft mag ſie aus weiter Ferne des guten Va⸗ ters, der liebenden Mutter ſehnſüchtig gedacht haben! Letztere ſollte ſie hier auf Erden nicht mehr wiederſehen. Kaum war ſie zwei Jahre aus der Heimath fort, ſo hatte ſie einſt Nachts einen Traum, wo ihre Mutter ihr erſchien und ſie anredete:„Liebes Kind, ich bin todt und leide noch ſchwere Pein im Fegfeuer; pitte du zu Gott, damit er meine Qualen


