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Neues Evangelisches Liegnitzsches Gesangbuch zum öffentlichen und häuslichen Gebrauch nebst einem Anhange von Liedern und Gebeten / gesammelt und hrsg. von den Mitgliedern des Ministeriums beider Kirchen
Entstehung
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gehen. Von dem Augenblicke an beseelte uns alle derselbe Geist, der der guten Sache vorschweben muß, wenn sie gelingen soll, und im brüderlichen Sinne begannen wir, von unsern Bürgern und Landleuten nicht nur berechtiget, sondern selbst aufgefordert, im Jus nius des vorigen Jahres dieses Werk, daß wir durch unsere gemein­schaftlichen Bemühungen mit Ostern des gegenwärtigen Jahrs voll­endeten, und nach vorhergegangener Censur der, von einer Hochs preislichen Kriegs- und Domainen Kammer zu Glogau, dazu angeordneten Behörde dem Druck übergaben.

Daß die Bearbeitung eines vollständigen Gesang- Buchs, auch selbst in unsern Tagen, wo so vieles vorgearbeitet ist, fein so ganz leichtes Werk sei, wird jeder, der jemals ein ähnliches Unterneh men begonnen und ausgeführt hat, zugestehen müssen. Ein anhal­tender Fleiß und die genaueste Sorgfalt, die selbst Kleinigkeiten nicht übersieht, und sowohl auf die Anforderungen der Gebildeten, als auf die Bedürfnisse der übrigen Christen Rücksicht nimmt, müs­sen einem solchen Werke erst diejenige Vollkommenheit geben, die es haben muß, wenn der Gelehrte wie der Ungelehrte, der Be­wohner der Stadt wie des Dorfes darin seine Befriedigung finden soll. 3wei wöchentliche Zusammenfünfte, bei denen uns auch der P. Klose als unser gemeinschaftlicher Freund mit sei­nen Einsichten und seinem Rath unterstüzte, und sowohl vorange= gangene als nachfolgende häusliche Arbeiten, deren sich ein jeder von uns durch Auswahl, Meditation und Schreiben unterzog, wa­ren die Mittel, durch die wir unsern Zweck erreichten; und wir kön­nen es zum Zeugniß der Wahrheit öffentlich bekennen, daß diese Ar­beitsstunden und Zusammenkünfte uns jedesmal wahren Geistesge­nuß gewährt haben.

Die meisten der hier gedruckten Lieder sind aus den besten Sammlungen entlehnt, und nur wenige sind ganz neu verfertigt worden. Hundert und sechszig alte Gesänge, die sowohl wegen ihres Inhalts, als auch wegen der reinen und kräftigen Poesie noch heute einen ausgezeichneten Werth an sich tragen, haben wir entweder ganz unverändert, oder hier und da verbessert wieder abdrucken lassen, um theils die unleugbaren Verdienste ihrer Verfasser auf die Nachwelt fortzupflanzen, theils aber auch den Wünschen und Anforderungen vieler unserer Gemeindeglieder ein Genüge zu leisten. Von der Menge trefflicher Quellen, die wir zu benuten suchten, zeugt der Umstand, daß wir eine Zahl von 300 Liedern in unsre Sammlung aufgenommen haben, die nicht