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Die Beschreibung von der
Zerstoͤhrung Jerusalems. 109
Zuͤdischen landes. derlangte, daß er solche, bey der darin herrschenden uneinigkeit, unverzuͤglich angreifen moͤgte; allein der Roͤmische feldherr hielt rathsamer, einem volke, das sich selbst aufrieb, und welches GOtt, wie er sagte, in die haͤnde der Roͤmer geben wuͤrde, zur eigenen beförderung seines unterganges laͤngern raum iu lassen. Der tod des Nero, und die darauf er⸗ folgenden m. veraͤnderungen mit dem Roͤmischen kaiserthum, verzoͤgerten die belagerung noch weiter; und als Vespasian selbst zum kaiser erwaͤhlt ward, begab er sich nach Rom, und uͤberließ die fortsetzung des krieges dem Titus.
Die durch die unerhoͤrten grau⸗ samkeiten des Johannis und der Zeloten aͤusserst beaͤngstigten ein⸗ wohner in Jerusalem hatten in dieser jeit ein neues heer von rau⸗ bern, unter einem anfuͤhrer na⸗ mens Simon, in die stadt gelas⸗ sen, um durch sie von jenen unge⸗ heuern befreyet zu werden; allein diese abermahlige verblendung vergroͤsserte nur ihr elend. Denn dieser Simon, der hereits in Idu⸗ maͤa die fuͤrchterlichsten verwuͤ⸗ stungen angerichtet, uͤbertraf an⸗ noch den Johannes an grausam⸗ keit und blutbegierde: zwang den⸗
selben, sich in den tempel zurück zu ziehen, und da auch dessen parthey sich trennte, und ein theil dersel⸗ ben unter dem Eleazar den innern tempel behauptete: so bekriegten diese drey raͤuberische haufen sich unter einander auf das heftigste, opferten eine große menge der einwohner ihrer wuht auf, ver⸗ darben durch raub und brand den in der stadt besindlichen vorraht der lebensmittel, und legten da⸗ durch den grund zu der bald nach⸗
her erfolgenden erschrecklichen hungersnoth.
Sein heer 11i einer solchen verfassung ruͤck⸗
DTitus im siebenzigsten jahre nach Christi geburt im anfange des Aprils mit seinem wolgeruͤsteten heere, und in begleituns des Jo⸗ sephus, vor die stadt Jerusalem. Selbige war mit einer dreyfachen sehr starken mauer und vielen thuͤrmen versehen, und faßte, ausser dem sehr befestigten tem⸗ pel, die burg Autonia und andere feste schloͤsser in sich. Die feyer des oster⸗festes hatte auch da⸗ mahls eine ungewoͤhnliche menge Juden in derselben versammlet, wodurch sowol die hungers⸗noht desto geschwinder vermehret, als auch der. der ganzen nation ruhende fluch um so deutlicher of⸗ fenbar wurde. Bey dem anfan⸗ ge der belagerung vereinigten sich zwar die drey aufruͤhrerischen rot⸗ ten zum tapfern widerstande ge⸗ gen die Romer/fuͤgten ihnen durch heftige ausfaͤlle vielen schaden zu, und setzten bey einem derselben selbst den Titus in die aͤusserste gefahr; Allein jene vereinigung dauerte nicht laͤnge. Johannes uberwaͤltigte durch list und ge⸗ walt die parthey des Eleaiar/ und bemaͤchtigte sich unter vielem blutvergiessen des ganzen tem⸗ pels. Die vertheidigung der stadt war also zwischen ihm und dem Si⸗ mon getheilet; die aber gleichfalls nicht aufhoͤrten, sich unter einan⸗ der zu bekriegen, so bald nur die Roͤmer ihnen einige ruhe liessen. Nachdem Titus den Juden ver⸗ geblich den frieden anbieten las⸗ sen, ward die belagerung mit gros⸗ sem eifer fortgesezt, und gegen das ende des Aprils die erste mauer, und fuͤns tage nachher die andere eingenommen; und obwol die Ju⸗ den sich der leztern wieder bemaͤch⸗ tigten, ward solche doch nach einer dreytaͤgen bestuͤrmung mit einer grossen niederlage der Juden 1* 16


