102 Die Geschichte von dem Leiden und Sterben
tpotteten ihn auch die kriegsknech—⸗ te, traten zu ihm, und brachten ihm essig/ und sprachen: Bist du der Juden Koͤnig, so hilf dir selber.
Aber der uͤbelthaͤter einer, die da gehenket waren, laͤsterte ihn, und sprach: Bist du Christus, so hilf dir selbst, und uns. Da antwortete der andere, strafete ihn, und sprach: Und du fuͤrch— test dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher verdammniß bist: Und zwar wir sind billig drinnen: Denn wir empfahen, was unsre thaten wehrt sind, dieser aber hat nichts ungeschick— tes gehaͤndelt, und sprach zu IE—⸗ su: HErr, gedenke an mich, wenn du in dein reich kommest. Und JEsus sprach zu ihm: Wahr⸗ lich ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese seyn.
Es stund aber bey dem kreuze JEsu seine mutter, und seiner mutter schwester Maria, Cleo-⸗ phas weib, und Maria Magda⸗ lena. Da nun JEsus seine mut⸗ ter sahe, und den juͤnger dabey stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner mutter: Weib! Siehe, das ist dein sohn. Darnach spricht er zu dem junger: Siehe, das ist deine mutter. Und von stund an nahm sie der juͤnger zu sich.
Und von der sechsten stunde an ward eine finsterniß uͤber das gan⸗ ze land, bis an die neunte stunde, und die sonne verlohr ihren schein. Und um die neunte stunde rief JEsus laut, und sprach Eli, Eli, Lama Asabthani! Das ist: Mein Gott, mein GOtt, warum hast du mich verlassen? Etliche aber, die da stunden, da sie das hoͤre⸗ ten, sprachen sie: Siehe, er ru⸗ fet den Elias.
Darnach als JEsus wußte, daß schon alles vollbracht war, daß die schrift erfuͤllet wuͤrde, spricht er: Mich duͤrstet. Da stund ein gefaͤß voll essig, Und bald lief einer unter
n nahm einen schwamm, und fuͤllet ihn mit essig, und steckte ihn auf ein rohr von ysop, und hielts ihm dar zum munde, und traͤnkete ihn, und sprach mit den andern: Halt, laß sehen, ob Elias komme, und ihn herab nehme. Da nun JEsus den essig genommen hatte, dmin er: Es ist vollbracht. Und abermahl rief er laͤut, und sprach: Vater, ich befehle meinen geist in deine haͤnde. Und als er das gesaget, neigete er das haupt, und gab seinen geist auf.
Und siehe da, der vorhang im tempel zerriß in zwey stuͤcke, von oben an bis unten aus, und die erde erbebete, und die felsen zer⸗ rissen, und die graͤber thaten sich auf, und stunden auf viele lei⸗ ber der heiligen, die da schlie— fen, und giengen aus den graͤ⸗ bern nach seiner auferstehung, und kamen in die heilige stadt, und erschienen vielen.
Aber der hauptmann, der da⸗ bey stund gegen ihm uͤber, und die bey ihm waren, und bewahr— ten JEsum, da sie sahen, daß er mit solchem geschrey verschied, und sahen das erdbeben, und was da geschah, erschracken sie sehr, und preiseten GOtt, und sprachen: Wahrlich, dieser ist ein frommer mensch, und GoOttes sohn gewesen. Und alles volk, das dabey war, und zusah, da sie sa— hen, was da geschah, schlugen sie an ihre brust, und wandten wieder um. Es stunden aber alle seine verwandten von ferne und viele weiber, die ihm aus Galilaͤa waren nachgefolget, unter welchen war Mariag Magdalena, und Mariades kleinen Jacobs und Joses mutter, und Salome, die mutter der kin⸗ der Zebedaͤi, und viele andere, die mit ihm hinauf gen Jerusalem ge⸗ gangen waren, und hatten ihm gedienet, und sahen das hunDie
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