Hof und durch die Durchfahrt gelaufen und unter dem Hausflur war Roske stehen- geblieben. Der Platz war dunkel. Die Scheinwerfer waren gelöscht. In der Höhe brummte eine Transportmaschine, z0g Kreise und schien nicht zu wissen, wohin mit ihrer Ladung. Auf die Hausfassade hackte Artillerie ein. Der Polmetscher, ein geborener Balte, lief weiter. Vor der Nachbarruine traf er den Obersten Ludwig, dessen Verhandlungen mit den Russen so weit gedichen waren, daß die Beschießung des von ihm bezeichneten Gebiets aussetzte. Es war der Moment, in dem das Feuer in Richtung Theaterkeller eingestellt wurde, um im nächsten Augenblick auf die Kaufhausruine niederzugehen. Oberst Ludwig suchte Funkverbindung zu den Rus- sen, um auch für das Armeehauptquartier einen Parlamentär zu erhalten. Der Dol- metscher eilte und lief weiter. Er gelangte an eine Bahnunterführung, dort stand ein russischer Panzer. Die Einsteigluke des Panzers war geöffnet, und in der Luke stand ein Leutnant.
Der Dolmetscher rief den russischen Panzerleutnant an.
Der Russe winkte den Rufer näher heran. Er hatte einen deutschen Offizier vor sich, der russisch sprach und zu ihm sagte:„Herr Leutnant, lassen Sie das Schießen einstellen! Ich habe für Sie eine ganz große Sache, Beförderung und alle Orden, die Sie sich nur denken kõnnen! Sie kõnnen mit mir kommen und den Feldmarschall und den ganzen Stab der deutschen Armee gefangennehmen!“
„Schto-takoi? Was ist das?“ Beförderung, Orden, Feldmarschall— es war etwas viel, und der Leutnant ließ sich das noch einmal wiederholen. Dann verschwand er in seinem Panzer, funkte nach hinten, tauchte wieder auf. Jetzt war es dem Dol- metscher etwas wenig, das Benehmen des Leutnants war ihm zu wenig außerge- wöhnlich.
Der Leutnant sagte:„Ladno!“ Pas heißt:„Geht in Ordnung!“
Es kamen noch zwei russische Offiere und einige Maschinenpistolenschützen, und geführt von dem Dolmetscher bewegte sich der Trupp dem Platz zu. Unter der Tordurchfahrt stand noch immer General Roske. Das Feuer hatte plötzlich auf- gehört. Der General verließ seine Deckung nicht, hob aber die Hände an den Mund und rief den Nãherkommenden etwas zu, in gebrochenem Russisch. Die Russen verstanden es nicht. Als sie in der Durchfahrt ankamen, sagte der General ihnen, ebenfalls in dũrftigem Russisch, daß der große Chef der Deutschen mit dem großen Chef der Russen zu verhandeln wünsche.
Der große Chef des belagernden Truppenteils, der einundzwamigjährige ukrainische Panzerleutnant Fjodor Jewtschenko, sagte:„Ladno!“ Und General Roske und der Polmetscher führten den Trupp über den Hof und nicht die schräg nach unten führende Rampe hinunter, sondern durch einen minenfreien Mebeneingang direkt in die hinter dem Vorhang gelegene Abteilung des Kellers.
Und da sah der Nachrichtenführer der Armee und da sahen die andern, die aus ihren Löchern hervorkamen, sie plõtzlich am runden Tisch des Oberbefehlshabers Sitzen, den hohen, windgebräunten Adjutanten des Oberbefehlshabers, den General
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