Roske, den Dolmetscher, einen russischen Panzerleutnant, noch zwei russische Offiiere und herum standen Maschinenpistolenschützen. Der Chef der Armee stand vor dem nur von dem schwachen Licht eines Rundfunkempfängers beleuchteten Raum des Feldmarschalls, nahm militärische Haltung an und Sagte:„Ich muß mel- den: der Russe ist da!“ Fine Erwiderung wartete er nicht ab, er ließ den angehobenen Vorhang wieder zurückfallen.
Am runden Tisch wurde verhandelt, obgleich da nicht viel zu verhandeln war. Der Panzerleutnant erklärte, daß deutsche Soldaten und Offiiere, welche die Waffen strecken, so behandelt werden, wie es im Ultimatum der Generale Woronow und Rokossowski vorgeschen wäre. Und draußen auf dem Gang, auf der langen Boll- bahn mit den Gruppen der herumstehenden Offiziere mit roten Hosenstreifen, mit goldenen, mit silbernen Achselstücken und Kragenspiegeln, in weißen Tarnkombi- nationen, war die Waffenstreckung schon in vollem Gange. Die Herren warfen ihre Pistolen auf einen Haufen, der höher anwuchs.
General Roske, der Adjutant, der Dolmetscher standen auf und mit dem russischen Panzerleutnant betraten sie das Keine Nebenzimmer. Der Russe blickte sich um. Es war eng hier, der Nachtwächter des Warenhauses könnte einmal hier gewohnt haben. In der Ecke war eine Lagerstatt hergerichtet, darauf lag der Feldmarschall. Er richtete sich halb auf. Unter der Decke war er völlig angezogen. Am Waffenrock trug er die Keine Ordensspange und die Ehrenzeichen des ersten und zweiten Welt- kriegs.
Der Feldmarschall legte seinen Revolver auf den Tisch, auch ein kurzes Dolch- messer legte er dazu. Der Russe nahm den Revolver an sich, in bezug auf den Dolch sagte er:„Nje nushno!“ Den Dolch brauche man nicht, und der Feldmarschall konnte ihn zurückhaben.
Die Herren kamen in den großen Raum zurück, nahmen wieder Platz. Der Chef erklärte und der Dolmetscher übersetzte, daß der Feldmarschall fordere, als Privat- person betrachtet zu werden, und daß er die Bedingung stelle, daß er nicht zu Fuß durch die Stadt geführt, sondern in einem geschlossenen Wagen weggefahren würde. Das wurde auch einem eintreffenden russischen Obersten wiederholt.
Das Geschehen nahm seinen Lauf.
Aus der rauchenden Ruine der Ortskommandantur krochen und Stolperten letzte Vberlebende heraus, und aus den Trümmerhaufen der Umgebung kamen sie eben- falls an, Soldaten der kämpfenden Truppe, in größeren und kleineren Haufen, mit geschwärzten Gesichtern und mit glühenden Augen. Sie zeigten die weiße Fahne und sammelten sich um den großen Haufen der mitten auf dem Platz stehenden Verwundeten und Kranken.
Finen halben Kilometer weiter, auf dem Bahnhofsplatz, wurde geschossen. Die Russen schossen, und die Deutschen Schossen, aus Gewehren, aus Maschinengeweh- ren, aus Maschinenpistolen. Quer über den Platz und von Häuserseite zu Häuser-
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