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Erwägung, die sie dazu bestimmte, ohne Widerstand das alte Quartier zu räumen. Auch die kämpfende Truppe rückte nach einer Aussprache zwischen dem Ober- stabsarzt und dem Kampfgruppenführer geschlossen ab.
Die Säuberung des Kellers machte Fortschritte. Raum nach Raum zogen die Leute ab, mit Sack und Pack oder so wie sie waren, mit leeren Händen. Der freigewordene Platz wurde augenblicklich von der nachdrückenden Flut der Verwundeten in Besitz genommen. Aber diese ganze Aktion war um einige Tage zu spät angesetzt. Der auf dem Hause liegende Beschuß wurde stärker. Das Dröhnen der Detonationen war bis in die Kellerräãume hinein zu verspüren. Es genügte nicht, daß aus dem Haus heraus nicht gefeuert wurde. Es war zu erreichen, daß die Gruppen außerhalb und in der Nähe des Hauses das Feuer einstellten. Dazu aber bedurfte es eines Befehls des Kommandeurs über diesen Stadtabschnitt. Finen solchen Befehl zu erwirken aber war von der Ortskommandantur schon technisch nicht möglich. Alle zu dem Gebãude führenden Fernsprechleitungen waren zerstört. Es mußte außerhalb des Hauses eine Verbindung gesucht werden, und Leutnam Lawkow bot sich an, den Oberarzt, der diese Aufgabe übernommen hatte, zu begleiten und dabei behifflich zu sein.
Der Schwarm der Krzte war inzwischen bis zu dem Kellerloch des Generals gelangt. Das Abrücken des Generals wollten Lawkow und der Oberarzt, neugierig darauf, wie die Sache sich abwickeln würde, noch abwarten. Augenscheinlich dachte der General nicht daran, sein Quartier aufzugeben. Dicht herangelangen konnte Lawkow nicht. Die Tür zu der Kellerabteilung war von Landsern umlagert. Die Feldgendarme
verhielten sich abwartend und standen stumm dabei. Drin ging ein Wortwechsel zwischen den Arzten und dem General hin und her. Es war nötig, Oberstabsarzt Simmering zu Hilfe zu holen. Draußen bei den Landsern ertönten Rufe:„Der will nicht! Der will ums Verrecken nicht! Der will da drinbleiben!“ Auch der Spitzname
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des Generals wurde laut:„Baron von Schnullerich Wieder erdrõhnte die Erde, wieder knirschte es bis in die Fundamente hinunter. Der Keller lauschte einige Augenblicke lang auf etwas anderes als auf die Stimme des Oberstabsarztes und die des Generals.
Dann hieß es:„Endlich, er fängt an zu packen!“
Einer der aus dem Kellerraum zurückkehrenden Arzte sagte:„Es hat aber wirklich sehr ernsthafter Vorstellungen bedurft!“
Das genügte Lawkow, und es genügte auch dem Oberarzt. Das Packen brauchten sie nicht abzuwarten. Sie machten sich auf den Weg nach oben, über den Hof hin- weg, und hinaus in die weiße und grollende Nacht.
Anderthalb Stunden später kehrte Lawkow zurück.
Er war allein. Der Oberarzt war in einem Feuerschlag liegengeblieben. Die Sterne waren nicht mehr zu sehen. Im Dunst blitzten Aufschläge aus Salvengeschützen. Aus dem Dunstberg am unteren Ende des Platzes ragte die Ortskommandantur auf, ein riesiger, steinerner Kopf, verstümmelt und zerhackt, aus seinen Augen fuhr
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