aufstehen. Kampf bis zur letzten Patrone— unter diesem Chef und mit diesem Haus voll prächtig dekorierter Narren!? Entschuldigung, meine Herren, warme Füße, kühle Köpfe, Taktiker, Strategen, Spezialisten, Sachbearbeiter auf allen
Gebieten, objektive Beurteiler der Lage, und das ist die letzte Verwandlung, die
letzte Maske, der letzte und endgültig auf die bleiche Stirn gedrückte und unver- welkte Kranz. Mein Gott, da ist man zwanzig Jahre Offizier, und Stufe um Stufe Befõrderung und Paraden und Glanz und Triumph, ein Sieges?zug quer durch den Kontinent, und solches Ende, so ein unausdenkbarer Narrentanz, im Schein kre- pierender Handgranaten, im Aufblit?en der kalten Waffe, nicht auszumalen, nicht zu ersehen, und da wird dann letzten Endes nichts anderes bleiben, da wird die eigene Waffe sich auch gegen die Schläfe des Obersten Carras richten!
Und so berichte, du habest uns..
Mein Gott: nein, nein, nein, nein!
Oberst Carras setzte sich in Bewegung, lief hinter dem Chef her, fand ihn im Arbeits- zimmer, stand vor ihm und führte ein kurzes Gespräch mit ihm, lief wieder hinaus und stand vor dem Oberarzt Huth:„Doktor, ich glaube, jetzt ist es Zeit. Ich glaube, jetzt sind die Herren bereit!“
Zwanzig Minuten waren vergangen, so lange hatte Huth dagesessen. Er wußte nicht, wer die einzelnen Herren waren, die da vor seinen Blicken vorbeige?ogen waren. Er wußte nicht, daß der Brontoffizier, mit dem zusammen er hier eingetreten war, in der Papiertüte Auszeichnungen davontrug. Er wußte nicht, daß der Oberst, mit dem er zusammen hier eingetreten war, von einem Besuch beim Feldmarschall zurückkehrte, aber er sah ihm an, daß er durch irgendein aufwühlendes Erlebnis verstõrt war. Er wußte nicht, daß der hochgewachsene Herr in der weißen Tarn- kombination, außen weißes Tuch, innen weißes Fell, der vor der Ausgangstür einen ebenfalls weißen Rucksack entgegennahm, der I A der Armee war, daß der andere jüngere Herr, ebenfalls Weiß in Weiß, der ihm folgte, der I C der Armee war, und daß beide in diesem Moment zu einem Weg in die Irre ansetzten. Er war auch auf- gestanden, hatte auch einen Blick in den einen, auch in einen anderen Raum hinein- geworfen und hier und auch dort eine Gruppe höherer Offiziere beieinander sitzen Schen, hatte aber nicht wissen können, daß er da die beiden Gruppierungen des Hauses vor sich hatte, deren eine um den Hartmann-Nachfolger und eben beför- derten General Roske, deren andere sich um den Adjutanten des Oberbefehlshabers und um den DPolmetscher der Armee zusammensetzte, und er wußte auch nicht, daß die Herren beider Gruppen neben ihren eigenen Sorgen in dieser Stunde nur noch die Hauptsorge hatten, den Feldmarschall bei guter Laune zu erhalten, und von allem, was die Verpflegungslager noch an Seltenem und Rargewordenem her- gaben, auf dem Tisch des Feldmarschalls absetzen ließen. Oberarzt Viktor Huth hatte die Gestalten der Apathischen an der Wand betrachtet und bemerkt, daß hier nicht Muskelschwund, nicht die Auszehrung, nicht die Ruhr die Ursache war, daß es sich bei der hier vorliegenden Lähmung um ein Phänomen rein geistigen Ur-
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