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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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Wagen herabgestürzt wurde! Tomas hatte geschen, wie Radioempfänger, Meßgeräte, Prãzisionsinstrumente mit dem Beil zerschlagen wurden, wie aber Betten, Möbel- stücke, Koffer, Bilder, Beutegut, Fässer, Säcke, immer wieder Säcke mit Lebens- mitteln geladen wurden. In Dmitrewka, wo die Hauptkampflinie in diesem Moment schon durch die Zeltreihen der Verwundetensammelstelle verlief, hatte ein Ober- zahlmeister keinen Platz für einen einzigen Schwerverwundeten, aber auf seinem eiligst aufgepackten Wagen führte er zwei gemästete Schweine mit, und nicht für die Truppe,privates Eigentum, wie Tomas sich sagen lassen mußte. Und ein anderer Wagen, ein kleiner Omnibus, hatte ebenfalls keinen Platz für Verwundete, aber für drei russische Frauen Köchin, Wäscherin, Aufräumerin, die doch zu- rückbleiben wollten, jedoch gezwungen wurden, zwischen den Säcken neben einem Schirrmeister, einem Oberfeldwebel, einem Truppensattler Platz zu nehmen. Tomas hatte die Wagen auch aus Nowo-Alexejewka abfahren sehen und nachher hatte er die Karawanen mit den hochgetürmten Ladungen überholt. Was danach gewesen war, an Liegenbleiben auf neuen Etappenstellen, an Zusammenbrüchen, an Repara- turen, an Weiterfahren, an Flankenüberfällen durch russische Kavallerie, das wußte er nicht. Er war seither und inzwischen in Stalingrad gewesen. Im Auftrag der Armee war er nach Pitomnik-Flugplatz und Pitomnik-Porf gekommen, und jetzt suchte er Planken und Stücke, um für seinen Wagen eine Fahrbahn zu bereiten, und um wieder nach Stalingrad und zur Armee zurückzukehren. Daß in diesem Pulk Wagen waren, die er schon in Dmitrewka und in Nowo-Alexejewka gesehen hatte und die nach ihren Aufenthalten auf Ftappenstellen in großen Haufen erst vor Stunden hier angekommen und sich festgefahren hatten, das wußte er ebenfalls nicht. Er konnte auch nicht wissen, daß der LKW mit den zwei gemästeten Schweinen, und auch nicht, daß der mit dem Schirrmeister, dem Oberfeldwebel, dem Truppensattler und den drei russischen Frauen abgefahrene Autobus hier in der Menge feststak. Köchin, Wäscherin, Aufwärterin, so hieß es in Dmitrewka. Natalja, Galina, Pelageja hießen sie. Galina und Pelageja waren nicht mehr da, und niemand hat von ihnen mehr gehört, Natalja und mit Vatersvornamen Gregorjewna war spãäter, als dieser Pulk auseinandergezerrt wurde erfroren aufgefunden worden. An ihrer Leiche wurde ein Einschuß am rechten Oberschenkel festgestellt. Der Schenkeleinschuß rührte nicht von einem aus der Nähe abgefeuerten Geschoß her und den mag sie während der Fahrt erhalten haben(auch die Blechwand des Omnibusses war von Gewehrkugeln durchlöchert), und die Verwundung mag die Ursache gewesen sein, daß sie von dem Schirrmeister, oder wer von den dreien es war, der sie mitgeschleppt hatte, hilflos zurückgelassen worden war.

Ein bleiches Gesicht, eines in einem langen Band... im Zuge militärischer Opera- tionen evakuiert, auf Straßen oder an Eisenbahnstationen verhungert, in Gefäng- nissen verhungert, erfroren, ermordet, in besetzten Dörfern im Zuge vonStraf- expeditionen undLiquidierungen oder auch einfach beiSicherstellung von Vieh, Geräten, Getreidebefehlsgemäß erschossen und die Erschießung unter An-

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