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Stalingrad : Roman / Theodor Plievier
Entstehung
Seite
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da. Die Stiegen, die Gnotke hinunterstieg, waren ausgetreten, die einstmalige Stiegen- einfassung war entfernt und verheizt worden. Die Sitzgelegenheiten bis auf eine Bank, die eingebauten Wandschränke, auch die hökerne Wandverkleidung waren ebenfalls in den Ofen gewandert und zu Rauch geworden. In der Nacht vorher war die Pritsche verheizt worden(auch diese Pritsche war einmal eine Tür in einer Bauernhütte gewesen), auf der bisher jener morgens im Schnee vergrabene Soldat geschlafen hatte. Als Gnotke in den Bunker heruntergekommen und an die ver- lassene Pritsche Dingelstedts herangetreten war, um dessen zurückgelassene Hab- seligkeiten zusammen?zupacken, hatten sich in dem fahlen Schein, der durch einen Erdschacht einsickerte, etliche Gesichter aufgehoben und sein Tun beobachtet, und als er bald nachher wieder zurückkam, war auch die Pritsche Dingelstedts abmontiert, und der Soldat Altenhuden war dabei, sie mit seinem Seitengewehr zu Brennholz zu zerhacken.

Gnotke hockte sich neben dem noch kalten Ofen hin.

Mit einem Aufblicken stellte er fest, daß Gimpf noch wie vorher, da er auf Posten gezogen war, auf der Pritsche lag ohne sich gerührt zu haben. Die Stiefel hatte er nicht ausge?ogen. und die Lappen, die neben ihm bereit gelegt waren, hatte er un- berührt gelassen, er starrte noch immer den Deckenbalken an. Auch bei dem Zu- stand Gimpfs handelte es sich keineswegs um die leicht erfrorenen Füße, sondern wie bei Feldwebel Põhls um zentrale im Gehirn gelegene Ursachen. Angst oder Schrek- ken indessen, wenn es sich darum handelte, konnten bei Gimpf᷑ kaum in Frage kom- men und jedenfalls kaum das Sterben botreffen, solche Art Furcht war ihm scit der Strafabteilung abhanden gekommen.

Altenhuden brachte einen Armvoll Brennholz:

Kleinholz, und eben war's noch'ne Pritsche! Nun, der braucht keine mehr! Nein, der braucht keine mehr! sagte auch Gnotke.

Das war der Nachruf auf den Gefreiten Dingelstedt.

Is ja auch ganz gut, wenn wir wieder mal einheizen können! ließ sich eine hellè Stimme vernchmen, die des Obergefreiten Rieß.

Halten Sie Ihr Maul, Ricß! sate Gnotke ärgerlich.Sie hätten besser daran getan, Pferdefleisch mitzubr ngen!

Altenhuden heizte ein, und der in einen eisernen Ofen umgewandelte Benzinkanister fing an zu glühen und aus scinen Fugen und aus dem Feuerungsloch zu rauchen. Zwei Momente gab es GCom dritten, dem gemeinsamen Essen, konnte schon lange keine Rede mehr sein), welche einen Bunker Zum Leben erwecken konnten: ein Sowjctischer Angriff oder ein geheizter Ofen. Bei einem Angriff waren sie alle da, so elend sie sich auch fühlen mochten, denn den Bunker verlieren, würde bedeuten, alles verlieren, außerhalb des Bunkers lauerte die von Schneestürmen durchtotte nackte Steppe. Dieses Mal war der Anlaß ein geheizter Ofen, und Altenhuden spart⸗ nicht und stopfte hinein, soviel darin Plat? war. Und sogar der beißende Rauch vur in dem in Kalk- und Lehmboden hineingeschachteten Erdloch mit Wãnden

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