an die Schloßmauer an und hüllte die Mönche, Heiligen und Engel ein. Von beiden Seiten schlugen die Geschosse in die Werkstatt. Die erste Verwüstung, die sie anrichteten, ereignete sich in dem halbausgebauten neuen Trakt. Eine noch unfertige Zwischenmauer stürzte ein und begrub eine Anzahl Nichtkombattanten . Jonas starb hierbei, Anna und andere Waffenlose.
Jonas legte sich hin, dankbar, aber nicht völlig befriedigt. In seinem tiefsten Inneren hatte er nach der Besetzung des Schlosses auf ein neues und grõßeres Wunder gewartet. Wenn die Voraus- setzung der Erlösung geschaffen werden konnte, warum sollte nicht deren Vollendung gelingen? Aber wenn diese Hoffnung auch fehlschlug, so hörte Jonas doch nicht auf, die Empörung zu billigen. Am Ende war Sicherheit in ihm. Ehe sein KHerz stillstand, erfüllte ihn eine sonderbare Seligkeit. Er versöhnte sich mit Gott, den er hatte anklagen wollen.
Anna war enttäuscht. Sie hatte sich, vielleicht aus einem verbor- genen Schuldbewußtsein, eingebildet, sie müsse unter Schmerzen Sterben. Sie hatte Schmerzen erwartet und war auf sie gefaßt. Dieser Tod aber war zu leicht. Er konnte keine Strafe bedeuten. War dies wirklich das Schlimmste, das ihr bevorstand? Warum
hatte man es sich so lange vorenthalten? Weshalb hatte man ge- glaubt, sich quälen zu müssen, statt zu kämpfenꝰ?
So endeten die Wehrlosen. Die Wehrhaften aber fühlten sich wieder in die Vorzeit versetzt. Man stand, primitiv bewaffnet, einer Ubermacht gegenüber. Was aber konnte die Uberlegenheit des Feindes den Angegriffenen bekümmern! Ob stark oder schwach, ob erfahren oder ungewohnt im Kämpfen: allen gemeinsam war die restlose Todesbereitschaft.
Simon, an der Seite Imres, fühlte, daß noch der alte Zelot in ihm stak, der in den letzten Stadien seines Kampfes gegen Rom mit derselben aussichtslosen Unnachgiebigkeit gefochten hatte wie die Verteidiger des Schlosses zu L. Gewiß war den Zeloten nach ihrer Niederlage die Flucht geblie- ben. Aber Zeloten wollten nicht leben, wenn man sie nicht ihr Leben in Ungebundenheit verbringen ließ. Als ihnen die Frei- heit abgeschnitten war, konnte das Leben nur noch Stückwerk
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