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PRXLUDIUM
ie Stadt L. liegt auf einer Anhöhe, die durch eine Schlucht in zwei gesonderte Kuppen ge- teilt ist. Die größere dieser Kuppen trägt die Christenstadt. Auf der kleineren, aber steileren steht das Schloß, von dem neben dem mittleren Trakt nur noch ein Teil des Westflügels erhalten ist. Zu den Füßen des Schlosses liegt die Judenstadt. Sie umfaßt nicht mehr als ein Dutzend Gassen. Ihre Häuser waren lange verfallen. Aber erst das Luftbombardement im September des Jahres 1939 hat sie aufgerissen und zerfetzt. Ihre Dächer lie- gen offen, die Stiegen brechen in der Mitte ab, vereinsamte Ka- mine stehen zwischen Dachstuhlgerippen. Die ehemalige Synagoge führt den Mamen des legendären jüdi- schen Eintagskönigs von Polen , Simon Wahl. Auch sie ist zer- klüftet und zerspalten. Man sieht von außen die zum Teil umgekippten Sãulen, auf denen die Kuppel ruht, die durchbroche- nen Gitter, von denen die Frauengalerie begrenzt wird, und die Reste der steinernen Bänke, die den Almemor umgeben. An einem Hang liegt der Judenfriedhof. Er ist teils von Spreng- geschossen, teils von Menschenhänden zerstört. Moch steht ein win- ziges Gebäude, die Leichenkammer. Einige Grabsteine, von Ge- strüpp verdeckt, ragen aus der Erde. Die Judenstadt war immer von Wällen umgeben. Aber diese waren zum Feil abgetragen. Jetzt sind ihre Lücken durch Stachel- draht ausgefüllt. Das gegen die Christenstadt führende Tor ist zu-
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