statt fallen und saß vorgebeugt, den Kopf in den Händen haltend. Neben ihm ging Marthas Atem gleichmäßig und tief, als ob die große und furchtbare Wendung in ihrem Leben sie gar nicht be- rühren könnte.
Plötzlich stand er auf.
„Mich hält nichts mehr“, fügte er mit gebändigter und kühler Stimme hinzu,„als die Erfüllung einer letzten Aufgabe.“
S
Am nächsten Morgen arbeitete Jan wieder auf dem Güter- pahnhof. Durch dünne Regenschauer brach ein Streifen Sonne. Mehrmals unterbrach Jan seine Tätigkeit, um nach dem Fisen- bahnwagen auszuspähen, der zur Aufnahme der Verschickten bestimmt war.
Immer wieder verließ er seine Beschäftigung und lief suchend zwischen den Bahngeleisen hin und her. Keiner der vielen ge- schlossenen Frachtwagen unterschied sich sonderlich von den übri- gen. Da standen sie, lange Reihen defekter Fahrzeuge. Viele waren zertrümmert und unbrauchbar. Entweder fehlte die Decke oder ein Stück der Wand. Einige saßen nur lose auf dem Unterge- stell.
Andere standen noch immer in Gebrauch. Aber auch ihnen blät- terte die Farbe langsam von den Wänden. Jede Farbschicht trug andere Wappen und andere Zeichen.
Ein geschlossener Wagen erregte Jans Aufmerksamkeit. Er stand, abseits von den übrigen, auf einem Seitengeleise. Seine Farbe, ein schmutziges Grün, das an welkes Gras erinnerte, war zum Teil aufgefrischt. Die neuen Farbflecke von intensivem Giftgrün pildeten, weil offenbar zu früh der Wärme preisgegeben, am unteren Rand dicke, zum Teil geplatzte Blasen. Ein SS-Mann patrouillierte lãngs des Wagens.
Immer pestrebt, von dem Mann nicht wahrgenommen zu werden, näherte sich Jan Pehutsam dem Wagen, so rasch und so dicht er es vermochte.
Tiefes Schweigen, von einer merkwürdigen, gefrorenen Art, um-
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