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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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rend sie seinen Tonfall nachahmte.Zuerst dachte ich, daß es Unsinn sei, Gepãck auf eine Reise zu nehmen, die in längstens drei Tagen beendet ist. Nach diesen drei Tagen, vielleicht sogar nur nach zweien, würde ich, so nahm ich an, kaum Gepäck mehr brau- chen. Ihre Stimme verriet keinerlei Bewegung. Aber dann anderte ich meine Meinung. Jeden Tag werden neue und einander widersprechende Bestimmungen erlassen. Vielleicht sind die alten Methoden überholt. Und ich brauche jedes der fünf Kilogramm Gepäck, die in dem Bündel sind.

Jan wunderte sich über Marthas Selbstbeherrschung. Was war es, das ihr diese Kraft gab? Halte sie insgeheim einen Glauben, der ihr über die Todesfurcht hinweghalfꝰ

Mach kein so finsteres Gesicht, bat Martha, als hätte sie seine Gedanken erraten.Und bedauere mich nicht. Du verschwendest dein Mitleid. Ich bin viel weniger mitleidswürdig als du.

Jan blickte sie fragend an.

Sie wandte den Blick weg, als störten sie Jans Augen. Ihre Pupil- en richteten sich ins Unbestimmte. Langsam hob sie ihr Bündel auf und wog es in den Händen. Es wurde zusehends schwerer und schwerer.

Weißt du, was das Schlimmste istd sagte sie.Das Schlimmste ist, zurückzubleiben.

Jan nickte. Er hatte es immer gewußt. Aber er wunderte sich, daß auch Martha es wußte.

Da erinnerte sie Jan an den Tod ihrer Freundin. Damals hatte sie das Schicksal der Zurückbleibenden empfunden. Und sie hatte sich danach gesehnt, fortgehen zu dürfen, gleichviel wohin; nur Fortl!

Du hast recht, versetzte Jan.Niemand muß zurückbleiben. Jedem, der keine Aufgabe mehr zu verrichten hat, steht es frei, seiner Wege zu gehen.

Warum gehst du dann nicht? Ihre Stimme hatte einen leiden- schaftlichen Klang.Was hält dich hier? Warum quälst du dich mit einer Pflichterfüllung, die dir nicht zukommt! Du bist deinen Obliegenheiten nachgekommen. Niemand kann sagen, daß du selbstsüchtig warst.

Was mich hier hält? Jan ließ sich schwer auf Marthas Lager-

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