Druckschrift 
Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

sagte Wolf beschwichtigend.Aber auch Dulden hat eine Grenze.

Wo ist diese Grenzed schrie Jan.Ich sehe sie nicht. Ist sie heute noch nicht erreicht, dann liegt sie an einem Punkt, der für Sterbliche unerreichbar ist.

Laßßs dir von mir Zurückhaltung raten, bat Wolf.Verlier nicht die Gewalt über dich. Wenn auch ihre Geduld andere rasend macht, was pleibt uns übrig, als die gleiche Geduld zu lernen?

Vielleicht gibt es doch etwas, das sie aufrütteln kann. Ich sterbe gern, wenn mein Ende sie beeinflußt. Jan lächelte hilflos, als schämte er sich seines Geständnisses.

Wolf betrachtete ihn eine Weile, und sein Gesicht schien älter als sonst zu sein. Rede nicht so, sagte er.Wenn das Ende von vierzehn Leuten sie nicht aufzurütteln vermag, wie sollten sie sich vom Ende eines Einzelnen beeinflussen lassen!

Er griff mit den Händen in das dichte Grün der Hecke und z0g langsam ein Bündel pelaubter Zweige zu sich heran.

Jan schüttelte den Kopf. Der Gedanke, der unvermittelt Besitz von ihm ergriffen hatte, ließ ihn nicht mehr los. Etwas stieg in ihm auf, das ihn erschauern machte.

Vielleicht wäre es doch des Versuches wert, sagte er halblaut. Was kann verloren sein, wenn es mißlingt? Ein einziges, wert- loses und schon verlorenes Leben.

Wolkf ließ das Büschel los, das an seine alte Stelle zurückschnellte. Er fühlte, daß er nicht mehr reden konnte. Rührung übermannte ihn. Stumm nahm er Abschied und ging seiner Wege.

3.

Als Michael das Schloß verließ, war viel Raum um ihn. Niemand folgte ihm und versuchte, sich mit ihm auszusprechen. Niemand erbat seinen Rat. Er ging wie gerichtet neben Ruth.

Endlich waren sie in ihrer Kammer. Michael setzte sich an den Tisch und wartete auf das Abendessen.

163