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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Piõtzlich sprang Eva auf. Sie fiel Ruth um den Hals und flüsterte ihr zu, daß es noch eine Hilfe gab, wenn sie auch in einer ver- zweifelten und gefährlichen Handlung bestand. Aber sie endete wenigstens das Warten. Sie brachte sofortige Entscheidung. Niemand als Ruth konnte helfen. Hatte sie nicht die Anfangs- . ße- gründe der Medizin gelerntꝰ

Ruth verlor die Farbe aus dem Gesicht. Was von ihr verlangt

, Was

örper,

wurde, war unausführbar. Wohl hatte sie von solchen Eingriffen

3 85 gehört. Frauen, die nicht gebären wollten, unterzogen sich ihnen.

wa die Krzte aber nahmen sie nur in dringenden Fällen vor. Was konnte 5* e sie tun? Sie hatte nicht einmal ein Messer, wieviel weniger

. zrztliche Instrumente. Sie wußte nicht, was man tat und was man unterließ. Ihre Hände, die sich kaum an den Seziertisch

gewöhnt hatten, waren durch schwere Arbeit steik und unge- schickt geworden. Wie konnte sie die Gefahr auf sich nehmen, 3

Aun eine Infektion herbeizuführen, die wahrscheinlich tõdlich war.

Was sollte überhaupt ein Eingriff nützen, wenn er Eva arbeits-

ich

45 unfähig machte! Aber Eva war nicht so leicht zu schlagen. Jeder Fingriff erfüllte

Ner seinen Zweck, ob er von den Händen eines Arztes oder eines

Laien herrührte. Sie war bereit, jede Verletzung zu ertragen⸗ auf die Gefahr hin, daß sie tödlich war. Hatte sie ein wenig eineni Glück, so war sie in drei Tagen wieder gesund. ichere⸗ Ruth weigerte sich. Erbleichend lehnte sie an der Wand und 1ies zeigte ihre zersprungenen Hände. Diese Hände waren unfähig, zu or der verrichten, was Eva vorschlug, Ruth versuchte, zu entrinnen. õrchle Aber Eva warf sich vor der Schwelle nieder. Sie kniete vor hãngus der Freundin. Schweigend überreichte sie ihr ein Instrument, borenen das grausam aussah, eine Feile, die sich kalt und spitz in Sunle Ruths Handfläche schmiegte. Sie schluchzte und beschwor die imiger Freundin, Mitleid zu haben. Sie schrie wie eine, die um ihr Leben au. bettelt.

Ruth verlor die Kraft zum Widerstande. Evas Weinen machte

Feuch sie ratlos. Schon war ihr Sträuben halb überwunden. Vielleicht hl rettete sie noch die Flucht. Sie rang mit Eva. Diese aber 0 enis Riesenkräfte zu besitzen. Sie drängte Ruth immer tiefer in das eillch Innere der Kammer zurück.

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