„Habe ich dich nicht gebeten: vergiß! Glaube nicht, was die Ge- rũchte sagen. Daß die Verschickten sterben müssen, ist eine bös- willige Erfindung.“
„Du lügst!“ schrie Ruth.„Glaubst du wirklich, daß du unauf- hörlich wegsehen kannst? Täglich gehen diese Greuel weiter.“
„Du willst doch leben“, beschwor Michael.„Wie kannst du leben, wenn du dich zu Tode quälst? Als wir noch beide unser altes
Leben führten, wußtest du wenig von der Grausamkeit der Men-
schen. Und doch geschahen immer neue Greuel irgendwo in der Welt. Mur warst du nicht zehn oder hundert, wie du jetzt zu sein glaubst, sondern tausend oder zehntausend Meilen von ihnen ent- fernt.“
„Ich weiß nicht mehr, wie es damals war“, stöhnte Ruth.„Wahr- scheinlich war ich mir dessen nicht bewußt, daß ich dazu gehöre. Aber wie kann ich leben, wenn ich es weiß?“ „Kommst du nicht aus einer anderen Welt, in der es weder
Furcht noch Greuel gab? Alles, was du hier erlebst, ist nur ein
Angsttraum. Warum denkst du nicht an die wirkliche Welt?“
Ruth lag mit geschlossenen Augen da. Gehorsam dachte sie an eine Welt, die sie beinahe schon vergessen hatte.
Es gab irgendwo Wiesen. Und sie enthielten keine Tafel: Für Juden verboten! Man konnte sich ins Gras legen und unbeküm- mert in die Wolken blicken. Da waren Parks und Plätze in den Städten. Man war nicht gezwungen, den Gehsteig zu verlassen und zwischen Fahrzeugen demütig seinen Weg zu gehen, weil der Bürgersteig Juden verschlossen war. Was für eine Seligkeit, Theater, Hotelhallen, Wirtsstuben zu betreten, ohne böses Ge- wissen, ohne Scham, ohne sich selber zu verleugnen.
Man sah ein Lichtspielhaus. Man durfte hinein, ohne gefragt zu werden, ob man Jude war. Niemand machte in der Straßenbahn zwischen Juden und Nichtjuden einen Unterschied. Man betrat den Personenwagen einer Fisenbahn, ohne vorher ein Dutzend Xmter und ein weiteres Dutzend brutaler Türsteher passiert zu haben. Man suchte sich einen Platz neben einem ansprechenden Gesicht. Man führte sein argloses Gespräch. Die Menschen redeten gelassen, ohne Argwohn und Mißtrauen. NMiemand belauerte den
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