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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Sie war eine natürliche Sache, diese Freiheit. Die sie besaßen, köhlten sie nicht. Die sich ihrer freuten, sagten nicht unablãssig: Wir sind frei. Sie war ihnen selbstverständlich wie das Atmen. Aber was nützten einem, der im lichtlosen Raum lebte, alle Er- innerungen an die Sonne. Die Welt der Freiheit mochte existie- ren. Aber Unfreie wußten weit mehr von der Unfreiheit.

Diese mußten sie nicht erst rufen, um sie zu fühlen. Sie war unablässig da. Man konnte sie mit Händen greifen. Und wenn man die Hände ansah, so erkannte man, daß es die Hände von Gefangenen waren. Der eigene Körper roch nach ewig vergosse- nem Schweiß. Ohne Unterlaß verspürte man den von Uberarbeit erzeugten Schmerz in den Gelenken.

Selbst ohne daß jemand Ruth antrieb, war sie angetrieben. Es be- durfte keines Aufsehers, der mit der Peitsche über ihr stand. Sie selber jagte hinter sich her, schlug sich, hetzte sich vorwärts. Immer zitterte sie davor, daß ihr Arbeitsquantum sich vermindert haben könnte. Sie legte ihre ganze Kraft in ihre zarten Arme. Bis in die tiefste Erschöpfung folgte ihr die unsichthare Peitsche. 8o rasch sie ihre Handgriffe tat, sie fürchtete dennoch, diese Hand- griffe zu langsam zu tun. Arbeitete sie aber rascher, so stellte sie zitternd die Frage: Konnte sie bei diesem Tempo durchhalten? Konnte sie alles tun, was ihr aufgetragen war, und doch nur so- viel tun, als sie zu vollbringen fähig ward Was mußte sie an- stellen, um bei Kräften zu bleiben?

Das Dasein des Zwangsarbeiters war ein ewiges Rechenexempel. Es war die Anstrengung des Läufers, der um sein Leben läuft. Der Vorrat an Energien war begrenzt. Er nutzte sich um so rascher ab, je weniger dazu getan wurde, um ihn zu ergänzen. Von Tag zu Tag war man ein wenig matter. Um leisten zu können, was man am Vortag geleistet hatte, setzte man von seinén Reserven zu. So waren diese Reserven im Schwinden. Fines Tages war es auch die Substanz. Wann kam der Tag, an dem die letzte Kraft unwiederhringlich verloren war?

Ruth sagte das Wort:Unwiederbringlich!, und sie flüsterte das andere Wort:Verloren!

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