die Wirklichkeit hundertmal überbietet. Wirklichkeit wird nur einmal erlebt. Aber Furcht erlebt man immer wieder. Du darfst dich nicht selber zugrunde richten. Nur wer sich in der Gewalt hat, wird sich bewahren.“
„Wozu sich bewahren“, sagte Ruth tonlos.
2.
Als Michael und Ruth das Kellergewölbe betraten, war der Raum von einem schwachen und unruhigen Licht erhellt. Man hatte die Ollampe auf einen Mauervorsprung gestellt. Knüpfer saß auf sei- nem gewohnten Platz. Wolf, der Zugereiste, fühlte sich fremd. Sooft es die Enge des Raumes zuließ, wechselte er den Ort. Jonas saß schweigend an der Seite Knüpfers.
Die Hände des Schneiders lagen flach, die Handrücken nach oben gekehrt, auf der Tischfläche. Sein Gesicht hatte einen verzichten- den Zug. Die Kleiderreste und zerstückelten Kleider, mit denen er sich noch vor einer Stunde beschäftigt hatte, gehörten nicht mehr zu ihm. Er hatte kein Teil mehr an ihnen.
„Ihr wißt bereits?“ fragte er.
Michael und Ruth nickten.
Eilig trachtete Michael, über den Gegenstand hinwegzukommen. „Schade“, sagte er mit vorsichtig abgewogenem Bedauern,„daß du morgen weiter mußt.“
Knüpfer schien dankbar, sein zukünftiges Schicksal nicht erörtern zu müssen. Mit halbgeschlossenen Augen, unbeweglichem Kopf und zurückgelehntem Körper machte er den Eindruck eines Ab- geschiedenen. Selbst das Geräusch seines Atmens ging so wenig von ihm aus wie die sonstigen Geräusche, die den Turm erfüllten, das Rieseln an der Wand, das Rauschen im Kamin oder die Zug- luft, die aus der Mauerõffnung strömte.
Zu ebener Erde schritt ein Mann mehrmals durch den Raum. Sooft er den Fuß niedersetzte, flackerte das Licht.
Knüpfer schien zu sich zu kommen. Er stellte seinen Blick auf Michael und Ruth ein und wollte etwas sagen. Um seinen Augen nicht begegnen zu müssen, nahm Michael übereilig
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