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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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Im Keller wurde gearbeitet. Ein älterer Mann übte dort das Hand- werk eines Flickschneiders aus. Da das aus einer schmalen Ritze unter der Türschwelle kommende Tageslicht nicht zureichte, mußte tagsüber eine Ollampe brennen. Der Handwerker wenn man ihn so nennen durfte saß, von Dingen umgeben, die einmal Kleider gewesen waren.

Er selber war ein Mittelding zwischen Mensch und Schatten. In der Tiefe seiner Erinnerung mußten noch die früheren Namen und Titel haften. Heute war es kaum vorstellbar, daß der Schnei- der mit dem Kleiderfabrikanten und Vorstandsmitglied der mäh- rischen Handelskammer Knüpfer identisch war.

Er versah schweigend seinen Dienst. Die Menge der Arbeit, die er für andere Bewohner der Judenstadt zu bewältigen hatte, erdrückte ihn zuweilen. Manche seiner Kunden drängten überdies. Denn sie warteten auf die Rückkunft ihres letzten Garderobestückes. Jonas und der Neuankömmling traten in das Kellergewölbe. Knüpfer hob den Kopf.

Ein Kunde dachte er. Ein vorzeitiger Kunde. Wie kommt es, daß er schon Feierabend gemacht hat?

Der Judenrat zog Wolf zu dem Schneider.

Dies, sagte er und legte unnatürlich lange Pausen zwischen die einzelnen Worte,ist ein Mann, der heute angekommen ist. Er wird im Schloß arbeiten. Er kommt aus Böhmen . Sein Name ist Wolf.

Der Schneider zuckte die Achseln. Was kümmerten ihn Name und Herkunft des Menschen. Seine Kleider waren noch recht gut im Stande. Knüpfer liebte Leute nicht, die aus der Heimat kamen. Sie redeten zuweilen von der Vergangenheit und betonten un- ablässig, wer sie gewesen waren.

Was kann ich für ihn tun? erkundigte sich Knüpfer höflich und hielt eine Sekunde lang mit seiner Arbeit inne, um Wolf an- zusehen.

Jonas senkte den Kopf.Er soll hier schlafen, erklärte er mit eigentümlicher Hast und wich dem erstaunten Blick des Schnei- ders aus.

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