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von ihnen hat ein richtiges Heim. Die Mauern, innerhalb deren sie sich niedergelassen und ihre wenigen Habseligkeiten aus- gebreitet haben, gelten nach dem Baugesetz jedes Landes als un- bewohnbare Ruinen. Und dennoch preist sich jeder der fünf- hundert glücklich, mit seinesgleichen zusammenzuleben und einen Ort zu besitzen, wo er sein Haupt niederlegen kann.
Die Insassen der Judenstadt zu L. sind keine jener Juden, die zu Beginn des Jahres 1943 in den zwölf Ghettos und in den fünfund- vierzig Judenwohnbezirken des Generalgouvernements ein unvor- stellbares Dasein führten. Wer in diesen Plätzen sein Leben fristete und zum Teil noch fristen mag, ist längst von allem Lebenden entfernt. Sein Dasein darzustellen, wäre unmöglich. Wer kann die Regungen von Wesen schildern, die schon lange jenseits von Angst und Entsetzen sind und für die alle Dinge und Worte des tãglichen Lebens Sinn und Bedeutung zur Gänze verloren haben. Nein, es wäre unmöglich, von diesen Menschen zu erzählen, so wenig wie man von den letzten Minuten Sterbender etwas Wirk- liches auszusagen vermag. Die Menschen, von denen hier die Rede ist, gehören zu jener spärlichen Zahl von Juden, die nicht von Fall zu Fall, wie jeder Jude des Generalgouvernements, sondern dauernd und mit bestimmten Aufgaben betraut für ihre Herren arbeiten.
Auch hier gibt es verschiedene Abstufungen, nach Fähigkeiten der Arbeitskräfte und Beschaffenheit der Arbeit. Von den etwa hun- dertfünfzigtausend Juden, die im Frühjahr 1943 verstreut in vie- len Arbeitslagern lebten und zum Teil noch leben, haben mehr als drei Viertel keinen Lohn. Ihre Nahrung ist wenig mehr als Kartoffeln und Brot. Ihr Lager ist die mit Stroh bedeckte Erde. Aber die Bewohner der Judenstadt von L. zählen zu den wenigen Bevorzugten, die eine entfernte Ahnlichkeit mit wirklichen Arbeitern haben. Sie leben abgesondert von ihrer Arbeitsstätte. Sie erhalten einen, wenn auch lächerlichen, Lohn. Man teilt ihnen zuweilen Lebensmittel zu.
Betrachtet man sie aber näher, dann erkennt man, daß auch sie weder wirklich noch dauernd aufgespart sind. Selbst sie, die man benõtigt, weil sie geschulte Arbeiter sind, haben nur eine Existenz auf Widerruf. Ihre Schonung ist begrenzt. Ihre Privilegien gegen-
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