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Revolte der Heiligen : Roman / Ernst Sommer
Entstehung
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über anderen jüdischen Arbeitskräften beruhen nicht auf Rege- lung, sondern auf Duldung. Ihr einziger Schutz pesteht in dem Fifer ihrer Herren, ihre Fähigkeiten gebührend auszunũtzen. Was sie erarbeiten, steht in keinem Verhältnis zu ihrem Lohn. Ihr Wert besteht hauptsächlich darin, daß sie im Laufe der Zeit immer schwerer ersetzbar werden. Wiewohl sie somit für ihre Meister ein unschätzbares Aktivum darstellen, müssen sie sich den- noch jeden Tag von neuem vom Untergang loskaufen. Trotz ihrer Nützlichkeit und Unersetzlichkeit lastet auf ihnen die un- aufhörliche Drohung des Unterganges.

Aber nicht nur ihr eigener Tod liegt immer im Bereich der Möglichkeiten. Unaufhörlich dringt der Todesschrei der andern an ihre Ohren. Es ist der langsam verhallende Todesschrei von Millionen, die nicht in Arbeitslagern untergebracht sind.

Dieser Todesschrei kommt wie aus andern Welten. So unwirklich wirkt der eisige Hauch von Mord, der ihm anhaftet. Und mit so viel Unvorstellbarkeit und Fremdheit ist er beladen.

Um jede im Bereich des Generalgouvernements befindliche- dische Gemeinschaft sind neben den sichtbaren unsichtbare Mauern gelegt. Was durch Wälle und Stacheldrahtverhaue gelangt, ist wenig mehr als der Schatten eines Lauts. Selbsttäuschung unter- drückt und Angst verfälscht ihn.

Dennoch macht sein Klang das Blut in den Adern gefrieren. Hört man ihn, so fühlt man Lähmung im Kreuz und Zittern in den Knien. Ein würgender Griff packt die Kehle. Der Atem ver- kürzt sich.

Man fühlt die sonst unvorstellbare Nähe des eigenen Todes.