immer noch aus, wenn auch nicht zu der vollen Schamlosigkeit, die im bewußten Durchdenken der Konsequenzen liegt.
Es haben uns Jugendliche erklärt, sie fühlen sich durch ein Parteiprogramm betrogen und stehen nun jedem Parteiprogramm mißtrauisch und ablehnend gegenüber; sie verhalten sich vorläufig abwartend und wollen zuerst einmal sehen, was die Alten erreichen.
Edel ist das nicht gedacht, und auch nicht klug!
Die Vielheit der Parteien gibt zwar der Abneigung gegen Aber verdie Parteien einen Anschein von Berechtigung. achtet man die Menschen, weil es auch schlechte Menschen gibt? Wer für sich in Anspruch nimmt, wieder einen Platz in der menschlichen Gesellschaft einzunehmen, der muß sich auch zutrauen, zu beurteilen, was ihm vorgelegt wird.
Parteienbildung ist mit der Demokratie verbunden. Hierbei sei nochmals betont: Parteien, nicht Gruppen und Grüppchen! Es ist praktisch nicht durchführbar, daß jeder einzelne seinen Willen und seinen Plan bekannt gibt, und daß dann irgend jemand aus vierzig oder fünfzig Millionen Plänen einen richtigen aussucht. Auch wenn jeder einzelne seine Vorschläge für eine Regierung in die Wahlurne werfen würde, käme keine Mehrheit des Volkswillens zum Ausdruck; es könnte sein, daß sich die Stimmen auf Hunderttausende Vorschläge verteilen; die höchste Stimmenzahl könnte weniger als ein Tausendstel der abgegebenen Stimmen sein. Mit der so gewählten Regierung wären also 999 Tausendstel der Wähler nicht einverstanden, obwohl sie die höchste Stimmenzahl erhalten hat. Das kann niemand wollen, und deshalb ist Parteibildung unentbehrlich.
In den Parteien schließen sich Gleichgesinnte zusammen, formen aus vielen Einzelwünschen und Meinungen klar umrissene Forderungen und Vorschläge, auf welche sich eine Vielzahl bereits geeinigt hat. Je konzentrierter diese Vorschläge
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