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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Scheußlichkeit der Verbrechen gegen das eigene Volk schon vor dem Kriege, und nichts an dem Wahnsinn der Idee, die ganze Welt gegen Deutschland herauszufordern, nichts an der Scheußlichkeit der Mittel, mit denen Hitler seinen Willen der Welt aufzuzwingen versuchte. Nicht, daß wir den Krieg ver­loren haben, ist doch unsere Schmach in der Welt, sondern daß wir ihn heraufbeschworen und geführt haben in einer Weise, zu deren gebührender Kennzeichnung in der deutschen Sprache die Worte fehlen.

Wenn alle Generale alle Befehle Hitlers gehorsam ausge­führt hätten, wäre damit die Schmach getilgt, welche die Kon­zentrationslager auf Deutschland gewälzt haben? Wäre damit rechtfertigt, sechs Millionen Juden verbrannt zu haben?

Wer der Meinung ist, im Falle eines Endsieges hätten wir trotz solcher Taten der Verachtung der Welt Trotz bieten können, ein Endsieg Hitlers hätte die Verbrechen der Nazis sanktionieren können, für den wird hoffentlich kein Verständnis im deutschen Volke zu finden sein; denen wird hoffentlich keine Hilfe in irgendeiner Form geleistet werden. Ein scharfes Auge sollten auch die anständigen Jugendlichen auf diese ihre Kameraden haben. Diese Denkweise stammt zwar auch von Hitler , aber sie ist so gefährlich, daß man diejenigen nicht schonen darf, die ihr heute noch anhängen. Wo der National­ sozialismus die Moral derart vernichtet hat, daß auch heute noch, da alle Verbrechen aufgedeckt sind, kein Schamgefühl mehr aufkommt; daß heute noch nur der Verlust des Krieges bedauert wird und nicht die Art, in der er geführt wurde, da wäre jede Rücksichtnahme Verbrechen gegen das Volk; für solche Leute kann das Schicksal, das sie persönlich zu tragen haben, gar nicht schwer genug sein.

Leider sind es nicht nur einzelne, aber hoffentlich sind es doch nur wenige, die so schamlos denken. Innerhalb der Jugend und nicht nur der Jugend wirken sich solche Gedanken

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