Druckschrift 
Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen

d

,, Du sollst den Namen Gottes, deines Herrn, nicht vergeb­lich führen." Das könnte nur noch für die Leute Geltung haben, die sich im Namen Gottes in die Politik einmischen.

,, Gedenke, daß du den Sabbath heiligst!" Die Sonntags­ruhe hat auch noch andere Gründe, als das dritte Gebot Gottes, und sie würde beachtet, wenn es nicht mehr zu einem Kriege kommt. Im Krieg aber hat die Kirche auch dieses Gebot den gegebenen Tatsachen angepaẞt.

,, Du sollst Vater und Mutter ehren, auf daß es dir wohl­ergehe und du lange lebest auf Erden." Es sind nicht die edelsten Menschen, die ihre Eltern ehren, damit es ihnen wohl­ergehe und sie lange leben; edle Menschen haben dafür andere Gründe. Und es ist auch nicht recht, die Ehrung der Eltern in jedem Falle zu gebieten; die Eltern sollen sich Ehre und Liebe ihrer Kinder erwerben.

,, Du sollst nicht töten!" Gewaltig ist die Zahl derer, die ge­tötet wurden auf Befehl der Kirche und mit Waffen, welche die Kirche gesegnet hat.

,, Du sollst nicht ehebrechen!" Wir wollen schweigen bis man uns fragt, welchen Erfolg dieses Gebot selbst auf dem heiligen Stuhl hatte.

,, Du sollst nicht stehlen!" Um wieviel wurde die Mensch­heit bestohlen, ohne daß die Diebe die von der Kirche sank­tionierten Gesetze verletzten.

,, Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten!" Wenn die Verkünder dieses Gebotes dasselbe be­achteten, dann brauchten wir nicht anzukämpfen gegen das Umlügen der Demokratie zur Anarchie und der Diktatur in göttliche Autorität.

,, Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!" Das dreitausendjährige Bestehen dieses Gebotes hat nicht verhindert und wird auch in Zukunft nicht verhindern, daß viele Menschen gerade das begehren, was zu besitzen ihnen verwehrt ist.

91