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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
Seite
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deren Zusammenfassung die Demokratie ihre ungeheuer schwere Aufgabe nicht erfüllen kann.

Ständen wir nicht erst in der Entwicklung zur Demokratie, und ständen wir nicht vor der schwierigsten Aufgabe unserer Geschichte, hinge nicht Sein oder Nichtsein als freies Volk davon ab, daß wir bald zu einer vollkommenen Demokratie gelangen, daß keine falschen Vorstellungen von Demokratie unser Volk weiterhin vergiften, dann verschwendeten wir keine Zeile darüber, wie der eine oder der andere sich den Weg in die Zukunft denkt. Wir brauchen aber zum Aufbau auch die­jenigen, die noch nicht von sich aus in der Lage sind, Winkel­züge zu durchschauen und Verdrehungen zu entwirren. Anarchie ist im Volksempfinden allgemein verächtlich, und göttliche Autorität allgemein verehrungswürdig. Auch wir sind gegen Anarchie und für göttliche Autorität; aber wir sehen in der Demokratie keine Anarchie und in der Diktatur der Kirche keine göttliche Autorität. Wir halten die Autorität einer vom ganzen Volke gewählten Regierung für mehr der Vernunft, und damit auch für mehr dem Willen Gottes ent­sprechend, als jede irgendwie bezeichnete Diktatur, auch die Diktatur der Kirche.

,, Fragt man uns aber, was der Wille Gottes sei, und wo wir ihn finden, so weisen wir auf die zehn Gebote. Wir kennen sie, und es ist notwendig, daß wir uns wieder bedingungslos zu ihnen bekennen. Denn sie enthalten in gedrängter Kürze und in göttlicher Prägung alles das, worauf unsere Existenz und unser Gedeihen als einzel­nen, als Gliedern unseres Volkes und als Mitgliedern der einen großen Völkerfamilie ruht".

sagt Dr. L. Eindeutig ist hier, daß es nicht Jenseitsfragen, Fragen der Religion sind, um die er sich bemüht, sondern unsere Existenz als Glieder unseres Volkes, also Politik.

Der Legende nach entstanden die zehn Gebote vor drei­tausend Jahren. Schrift und Sprache waren um diese Zeit

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