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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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müssen, so entsteht das Wandern von Partei zu Partei, so ent­stehen weitere Parteien, so wird das Uebel vergrößert, das die Ursache des Mißerfolges war. Es sollte keine Parteibildung gestattet sein, die lediglich populäre, aber politisch unver­nünftige Forderungen aufstellt, nicht aber die Wege aufzeigt, wie diese Forderungen erfüllt werden können. Auch das ganze Volk einmütig in einer Partei hinter einer unvernünftigen For­derung kann nicht möglich machen, was der Natur nach un­möglich ist.

Individualismus, oder das Herausstellen großer Persönlichkeiten als der schöpferischen Kräfte.

Sozialismus, das Vertrauen auf die Gemeinschafts­

idee?

Diese Frage trennt die Demokraten von den Sozialdemo­kraten. Diese Frage muß innerhalb der Demokratie durch das Volk entschieden werden; sie rechtfertigt mithin das Bestehen zweier demokratischer Parteien. Die Kommunistische Partei bekennt sich heute auch zur Demokratie und hatte den Sozialis­mus zum Ziel; für ihr Bestehen neben der Sozialdemokratischen Partei ist also kein Grund ersichtlich.

Allenfalls könnten die Gegner der Demokratie sich dann noch trennen in Anhänger der Monarchie und solche der Dik­tatur. Mit vier Parteien wäre also unbedingt erfüllt, was nötig, und auch was zulässig sein sollte.

Zusammenschluß als Rheinländer, Niedersachsen , Haus­besitzer, Mittelstand, Kriegsbeschädigte, Mieter, Sparer, Brief­markensammler, Brieftaubenzüchter, Nichtraucher usw. ist Unfug, ebenso wie die Trennung als Juden und Christen, als Gottgläubige und Freidenker Unfug ist. Als Interessengemein­schaften für Sonderinteressen mögen solche Zusammenschlüsse tragbar sein, aber die allgemeinen Interessen als Staatsbürger sollten den wirklich politischen Parteien übertragen werden. Der Staat hat nur allgemeine Interessen zu regeln.

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