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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
Seite
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Kongreß. Dabei waren die Gegensätze zwischen Handwerks­meistern und Gesellen gar nicht so erheblich; die Meister waren überdies in der Mehrzahl; 457 000 Handwersbetriebe be­schäftigten 385 000 Gesellen; die Mehrzahl der Gesellen ge­dachten, in absehbarer Zeit selbst Meister zu werden und legten keinen besonderen Wert darauf, den Gesellen allzuviel Rechte einzuräumen; auch die Forderungen der Meister waren alles andere als revolutionär. Dennoch lehnte der Volkswirt­schaftliche Ausschuß der Nationalversammlung die Eingabe der Handwerksmeister ab. Nationalversammlung und Volks­wirtschaftlicher Ausschuß waren liberal, wie auch die Hand­werksmeister; weder hier noch da kam man über den Streit um Kleinigkeiten hinaus; Beschlüsse, die etwas grundsätzlich ändern sollten, kamen auch in der Nationalversammlung nicht zustande.

Inzwischen hatte der König Zeit, seine Pläne vorzubereiten. Am 9. November löste er die preußische Nationalversammlung auf, die er am 22. Mai eröffnet hatte. Die Nationalversamm­lung folgte dieser Auflösung nicht sofort; am 10. November trieb General Wrangel sie auseinander. Ein Bericht darüber lautet:

,, Nachdem General v. Wrangel zu den Truppen in der Mohrenstraße zurückgekehrt war, stieg er ab und setzte sich auf einen Stuhl, der aus einem Hause gebracht wurde. Bald erschien der Kommandeur der Bürgerwehr ,, mit unbedecktem Haupte, rechts von seinem Stabschef Duncker, links von seinem Adjutanten geführt, und erklärte: Die Bürgerwehr sei ent­schlossen, die Freiheit des Volkes, die Würde der National­versammlung zu schützen, und sie würde nur der Gewalt weichen. Ruhig und freundlich erwiderte der General: Sagen Sie der Bürgerwehr, die Gewalt wäre nun da, ich werde nun mit den Truppen für die Ordnung einstehen; die Nationalver­sammlung wird binnen 15 Minuten den Sitzungssaal verlassen, und dann wird auch die Bürgerwehr abziehen.'

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