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Die Bourgeoisie
Was die bereits siegreiche Revolution von 1848 zum Schei- tern brachte, verdient besonders beachtet zu werden, weil es heute noch eine dringliche Warnung für uns bedeutet.
Auf den Barrikaden in Berlin hatten mit den bürgerlichen Demokraten die Arbeiter gekämpft; neun Zehntel der Todes- opfer waren Arbeiter; der Sieg wurde nur dank dieser Mit- hilfe errungen. Als nun aber auch die Arbeiter ihre Forderun- gen an die Revolution stellten, als auch sie"Rechte im Staat verlangten, da zeigte sich die politische Unreife auch der deutschen bürgerlichen Demokraten.
Für sich, für den dritten Stand, wollten sie die Gleichberech- tigung mit Adel und Klerus; daß aber auch die Arbeiter, der vierte Stand, mit ihnen gleichberechtigt sein sollte, davor er- schraken sie wie vor einem Weltuntergang. Die Bürgerwehr stellte sich dem König zur Verfügung, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Dagegen wäre nichts einzuwenden; die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung liegt jederzeit im allgemeinen Interesse, und der König hatte ja auch zugestan- den, die Forderungen der Demokraten zu erfüllen. Bezeich- nend für die Haltung des Bürgertums ist aber der Handwerker- kongreß, der nach Frankfurt einberufen wurde Zu diesem Kongreß hatten auch die Gesellen Delegierte gewählt; die Handwerksmeister verweigerten diesen Gesellen die Teilnahme ‚am Kongreß. Erst nach langem Widerstreben erklärten die Meister sich bereit, die Gesellenvertreter zu den Verhand- lungen zuzulassen, aber nur mit beratender Stimme. Das lehnten die Gesellen ab und veranstalteten einen eigenen
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