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Knüppel auf dem Wege zur Demokratie / von Josef Radermacher
Entstehung
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Deutschland begruben sofort alle Streiterei, die sie unterein­ander hatten; gegen die Revolution schlossen sie sich einmütig

zusammen.

Manche üble Begleiterscheinung der Revolution entstand erst durch den Kampf der deutschen Fürsten gegen das revo­lutionäre Frankreich . Der Beistand von außen her verstärkte Dieser Widerstand den Widerstand der Reaktion im Lande.

der Reaktion zwang die Führer der Revolution zu schärferen Maßnahmen, lieferte so viele an die Guillotine, die der Reak­Die wirklichen Reak­tion überführt oder verdächtig waren. tionäre hätten sich wahrscheinlich mehr zurückgehalten oder schneller mit den Tatsachen abgefunden, wenn sie nicht auf die Hilfe der deutschen Fürsten vertrauten; es wären nicht so viel Verdächtige hingerichtet worden ohne die Versteifung und Verlängerung des Widerstandes von Deutschland her. Mit den Greueln, die so ganz wesentlich das Werk der deutschen Fürsten waren, konnte man hundertfünfzig Jahre lang in Deutschland Furcht und Abscheu gegen die französische Re­volution, und damit auch gegen jede Revolution, aufrecht halten. Auch das wirkt sich heute noch aus; auch heute noch bedeuten die Namen Danton und Robespierre für viele Deutsche den Inbegriff aller Scheußlichkeit. Und die Republik fand Massen von Feinden, deren Feindschaft nur auf den in dieser Weise geschürten Haß gegen die Revolution aufgebaut war.

Friedrich Wilhelm II. war der erste, der gegen die Menschen­rechte zu Felde zog; er war auch der erste, der mit der Revo­lution Frieden schließen mußte. Die unter seiner liederlichen Regierung vernachlässigte preußische Armee versagte völlig im Kampf gegen das Volksheer der Revolution. Das linke Rheinufer als neue Ostgrenze Frankreichs war der Erfolg des Preußenkönigs. Außerdem leitete er damit die nun folgenden Unglücksjahre für Preußen ein; sein Nachfolger wurde durch Napoleon bis in den nordwestlichsten Zipfel seiner Lande ge­trieben. In Tilsit mußte Friedrich Wilhelm II. die Hälfte

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