Onkels( des Königs Friedrich II.) zu bestechen, beläuft sich auf ebensoviel. Sie glauben nicht, wie viele Male ich mir die Freiheit genommen habe, ihm zu sagen, wie wenig sich seine Lebensweise für einen großen Fürsten schicke, aber sein Hang zum Vergnügen ist zu entschieden; er wird davon niemals zurückkommen; er wird täglich toller."
Es wurde sogar viel toller, als dieser Hohenzoller nicht mehr die Spione des königlichen Onkels zu bestechen brauchte, als er ohne jede Einschränkung seinen Gelüsten nachgehen und die Mittel dazu aus der Staatskasse entnehmen konnte. 30 000 Taler waren Bagatellen, als er mit vier Frauen und zahlreichen Liebschaften schwelgte, als er seine Kupplerin zur Gräfin und deren uneheliche Kinder zu Grafen und Gräfinnen machte. Auch diese von ihm gemachten Grafen galten ja als adelig und wurden von den Steuern des Volkes ,, standesgemäß" unterhalten.
In die Regierungszeit dieses ,, Königs" drang von Frankreich her die Verkündung der Menschenrechte. ,, Die Menschen werden frei und mit gleichen Rechten geboren und bleiben. es auch", so beginnt diese Verkündung. Der Ursprung jeder unumschränkten Herrschaft ruht wesentlich in der Nation. Keine Körperschaft und kein Individuum kann eine Autorität ausüben, die nicht ausdrücklich von ihr ausgeht."
-
Das war eine frohe Botschaft für die Geknechteten, aber eine gefährliche Wahrheit für die Machthaber. Für frohe Botschaften wie für gefährliche Wahrheit war aber noch die schnellste Uebermittlerin die Postkutsche, und nur wenige Menschen fanden in der Postkutsche Platz. Den Fürsten standen Extraposten zur Verfügung; sie erfuhren schneller von der Gefahr als das Volk von der frohen Botschaft. Sie begriffen auch schneller die Bedeutung der französichen Revolution; was ihre Macht bedrohte, das wußten sie allezeit zu beurteilen. Und was entscheidend war: Die Machthaber in
57


