auch heute noch viele Menschen, die in solcher oder ähnlicher Weise sich ihren Landesherren, den Hohenzollern , zu Dank und Hochachtung verpflichtet fühlen.
Der Charakter dieser Leute ist ohne Zweifel achtenswert; es würde mir leid tun, einen von ihnen zu verletzen; aber ihre Denkweise beruht doch auf einem überlieferten Irrtum, und dieser Irrtum behindert heute das vernünftige Urteil über die Demokratie. Ich halte es deshalb für meine Pflicht, diesem Irrtum entgegenzutreten, nicht um Tote zu schmähen, sondern weil dieser Irrtum, die Verherrlichung der Hohenzollern und der Landesväter überhaupt, ein Knüppel auf dem Wege zur Demokratie ist.
Die Hohenzollern waren nicht schlechter und nicht besser als so viele andere ,, Herrscherhäuser"; sie sollen nur deshalb hier als Beispiel angeführt werden, weil sie mehr als fünfhundert Jahre hindurch mit der Geschichte Preußen- Deutschlands verbunden waren.
Es war seit jeher üblich, die Herrscherhäuser so zu schildern, daß ihr Gottesgnadentum immer neu bestätigt werden sollte. Maler und Bildhauer stellten ihre Kunst in den Dienst dieser Absicht; auf der Siegesallee in Berlin standen elegante Reiterfiguren von Fürsten , die mit Mühe auf den Thron getragen werden mußten und niemals imstande gewesen sind, ein Pferd zu besteigen. Geschichtsschreiber erdichteten rührende Anekdoten und begeisternde Heldentaten, auch wenn der Held ihrer Geschichte ein Trottel oder Idiot war. Die höchsten Tugenden und die liebenswürdigsten Eigenschaften wurden auch den lasterhaftesten und brutalsten Despoten angedichtet, damit das einfache Volk zu ihnen aufschauen konnte als den von Gott bei der Erschaffung schon in jeder Hinsicht ausgezeichneten höheren Wesen. Das hat unstreitig zu seiner Zeit vielen das Ertragen und Gehorchen erleichtert; aber nun sind die Folgen davon hinderlich; von Eltern und Großeltern her lebt auch in der heutigen Generation noch der so gezüch
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