vor dem Althergebrachten wirksam und behindert vernunftgemäßes Handeln, ist ein Knüppel auf dem Wege zur Demokratie.
Vor fünfundzwanzig Jahren habe ich einmal einen alten Herrn, der mir sehr wohlgesinnt war, zum Weinen gebracht durch eine abfällige Bemerkung über ,, Wilhelm den Letzten". Der Herr war höherer Postbeamter. ,, Mein Großvater war Beamter", sagte er ,,, mein Vater war Beamter und ich bin Beamter; meine Familie hat immer nur Gutes durch den Kaiser erfahren; mir tut es weh, wenn Sie so verächtlich über ihn reden."
Meine Bemerkung war vom Standpunkte eines kaiserlichen Beamten gesehen respektlos gewesen, aber ich habe nie den Kaiser persönlich für das Schicksal Deutschlands verantwortlich gemacht, habe ihn weder geachtet noch verachtet; er war für mich auch nur das Produkt seiner Herkunft und Erziehung. Mein alter Freund hatte zwölf Jahre als Soldat gedient, um den Zivilversorgungsschein zu erwerben, war mit diesem Zivilversorgungsschein in die Beamtenlaufbahn getreten, hatte es zum Postoberinspektor oder Oberpostinspektor gebracht und genoß nun seine Pension. Ebenso hatte sein Vater und sein Großvater als Militäranwärter Beamteneigenschaft und Pension erlangt. Zwölf Jahre Militärdienst und mehr als dreißig Jahre treue Pflichterfüllung hatten diese Leute geleistet; daß sie dafür ein verhältnismäßig sorgenfreies Leben hatten führen können, das betrachtete der alte Herr als eine besondere Gnade, die Seine Majestät seiner Familie habe zukommen lassen. Der Kaiser hat ganz sicher nichts davon gewußt, aber es leben
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