In den ersten Tagen war der Besuch so schwach, das die 44- Führung sich mit dem Gedanken befaßte, das Ganze wieder aufzulösen. Um jedoch diese Niederlage nicht eingestehen zu müssen, ging man lieber dazu über, die Besucher mit Lastwagen aus den Außenkommandos zu holen.
Asoziale Elemente suchten in diesen Räumen ihr eigenes Elend zu vergessen. Aber das meiste Ergötzen fand bei dieser Affäre wohl der Herr Schutzhaftlagerführer Campe selbst. Zur Kontrolle" war er fast jeden Abend anwesend und kontrollierte durch den in jeder Tür angebrachten Spion den ,, Betrieb".
In jedem rechtsmäßigen Bordell bekommt die Bordellmutter einen Teil der Einnahmen. So kassierte auch hier die Reichsführung der 4 und Polizei ihren Teil.
Die Geistlichen
Kein Problem war in den letzten zwölf Jahren so zweispältig wie die. Stellung der Nazi zur Kirche. Der totale Anspruch der Partei auf allen Gebieten warf immer neue Differenzen auf. Es war ein ständiger Kampf zwischen dem Versuch, sich diese Kräfte unterzuordnen oder sie zu vernichten. Ein Spiegelbild dafür war auch die Stellung der Geistlichen in den Konzentrationslagern.
In den ersten Jahren versuchte man noch, das christliche Gesicht zu wahren. Die Häftlinge wurden gezwungen, religiöse Feiern am Radio mitanzuhören oder am Gottesdienste teilzunehmen. Von der 4 wurde dies jedoch in einer Art und Weise durchgeführt, daß jeder, der Freidenker wie der Gläubige, abgestoßen wurde.
Der An- und Abmarsch zu diesen Gottesdiensten war ausgefüllt mit Gebrüll und Geprügel. Am Platze selbst wurde jede Stimmung vertrieben durch Strammstehen, Ausrichten usw. Mit Beschimpfungen und Verhöhnung wurde ebenfalls nicht gespart.
In der Zeit, als in Dachau der katholische Ortspfarrer noch das Recht hatte, das Lager zu besuchen, wurde er immer mit Schadenfreude erwartet. Näherte er sich dem Lagertor, dann legten die-Männer eine Schallplatte auf, und es ertönte durch den Lautsprecher über das ganze Lager:„ Du schwarzer Zigeuner komm, spiel mir was vor!"
Nach der Eingliederung Österreichs kamen Geistliche in größerer Anzahl in Schutzhaft. Ein Teil wurde zu schwerster Arbeit in der Strafkompagnie herangezogen. Viele konnten diese ihnen ungewohnte Arbeit nicht bewältigen und gingen daran zugrunde. Andere konnten sich durch die Unterstützung der schon seit 1933 Inhaftierten auch über diese schwere Zeit hinwegretten. Manche Freundschaft zwischen den als gottlos verfemten Kommunisten und den Geistlichen wurde hier fürs ganze Leben geschmiedet.
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