Spiele statt Brot
Gebt dem Volke Spiele und Brot, damit die Freude an der Arbeit geweckt und die Leistungen gesteigert werden! Das war die Gegenparole der Reichsführung". Da man mit Brot nicht viel aufwarten konnte, war man mit Spielen um so freigebiger. Diese Ideen waren zwar nichts Neues, standen aber in der Form, wie sie in den Lagern durchgeführt wurden, einzig da.
Der Steigerung der Arbeitskraft zuliebe wurde ab 1942 erlaubt, daß die Angehörigen Pakete ins Lager schicken konnten. Von der kargen Lebensmittelzuteilung konnte zwar nicht viel erübrigt werden, aber es war doch ein Mittel, nicht nur die inhaftierten Nazigegner, sondern darüber hinaus auch noch ihre Angehörigen auszubeuten.
Lange Zeit gab es für die geleistete Arbeit überhaupt keine Entschädigung. Dieses Recht stand jedem Räuber und Mörder im Zuchthaus zu, nicht aber den politischen Gefangenen. Erst im Laufe des Krieges wurden als neuer Arbeitsanreiz Prämien eingeführt. Die Sätze waren wöchentlich 50 Pfennig bis RM. 4.-.
Viel Propaganda wurde mit den in den Lagern erlaubten Fußballspielen gemacht. Die Mannschaften der einzelnen Blocks, Arbeitskommandos und auch der verschiedenen Nationen traten hier im Wettbewerb gegeneinander auf.
Künstler von namhaftem Ruf, Laienspieler und leidenschaftlich musizierende Geistliche bildeten ein großes und gutes Orchester. Die an den Sonntagen gegebenen Konzerte standen durchweg auf einem hohen Niveau und waren stark besucht.
Mit dem Theaterleben stand es schlechter. Stücke mit nationalsozialistischer Tendenz wollten wir nicht aufführen, andere geeignete Sachen waren wenig vorhanden.
Besser stand es mit der Bücherei. Etwa 10 000 Bände füllten die Regale dieses Raumes. Manches Buch, das dem Zensor verfallen war, fristete hier noch ein verborgenes Dasein. Doch fehlte die Zeit und die Ruhe, um produktiv lesen zu können. Filmvorführungen waren selten. Insgesamt wurden etwa acht Filme gezeigt.
Hemmungslos, wie überall, war die 4 auch in Bezug auf die Aufpeitschung der sexuellen Triebe. Was kein Schutzhäftling je erwartete geschah im Jahre 1943: im Lager Dachau wurde ein Bordell errichtet. Man baute eine sogenannte Sonderbaracke zu diesem Zweck. Aus dem Frauen- Konzentrationslager Ravensbrück wurden zwölf Frauen mit dem Versprechen, nach sechs Monaten entlassen zu werden, nach Dachau geschickt.
Eine wochenlange Diskussion auf der Lagerstraße über Für oder Gegen ging der Eröffnung voraus. Unter den überzeugten politischen Häftlingen gab es nur eine Meinung: wegbleiben, das ist nichts für uns! Nur ganz wenige Abtrünnige waren später zu verzeichnen.
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