Druckschrift 
Wir klagen an! : Ein Bericht über den Kampf, das Leiden und das Sterben in deutschen Konzentrationslagern ; Moor, Dachau, Mauthausen, Neuengamme, "Cap Arcona" / von Julius Schätzle, Schutzhäflting Nr. 211
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen

März 1940 nur noch 86 die Rückfahrt antreten. Alle anderen waren ent- weder tot oder so heruntergekommen, daß sie nicht mehr transportfähig waren.

Wieder in Dachau

Der Hölle von Mauthausen entronnen, marschierte an einem klaren Märzmorgen im Jahre 1940 ein kleiner Transport von ausgehungerten Schutzhäftlingen zurück in ihr Stammlager Dachau . So unglaublich es auch scheint, wir begrüßten die Türme des Dachauer Lagers, als ob wir nun zu Hause wären. Dieses Gefühl wurde noch gesteigert durch den warmen Empfang durch die bei der Räumung im Oktober 1939 zurück- gebliebenen Kameraden.

Unter der Leitung des Lagerältesten Georg Scherer war für uns alles aufs beste vorbereitet. Eine warme Milchsuppe stand bereit, die Baracken waren zum Einzug sauber gemacht und geheizt, die Betten frisch über- zogen. Alles war getan, was unter den obwaltenden Umständen möglich war. Auch die Absicht des damaligen Lagerführers, unsere Arbeitskraft wieder auf die Höhe zu bringen, kam uns sehr zustatten. Eine Ansprache, in der er erklärte, daß die Strafkompagnie und die Prügelstrafe abge- schafft wären, vervollständigten das Bild. Die Geschichte der Konzen- trationslager trat in ein neues Stadium ein. Das Ziel der absoluten Ver- nichtung wurde zurückgestellt zugunsten der Erhaltung und Ausbeutung der Arbeitskraft.

Nur wenige Tage der Ruhe blieben uns vergönnt. Der Arbeitsdienst erforderte wieder alle Kräfte. Als erstes mußte das Lager wieder auf- geräumt werden. Die#-Division, die während unserer Abwesenheit im Lager gewesen war, hinterließ nichts als Schmutz und Trümmer. Dann nahm das berüchtigte KommandoGaragenbau die Arbeit wieder auf.

Unter Führung des Oberkapos Karl Kapp aus Nürnberg konnten die alten Methoden noch einmal Triumphe feiern. So traurig das auch ist und so unverständlich es einem Außenstehenden erscheinen mag, so kann man an der Tatsache nicht vorbeigehen, daß sich immer wieder Häftlinge bereit fanden, um eines geringen Vorteiles willen die Interessen der# rücksichtslos zu vertreten. In dem Kommando Garagenbau wurde das Antreibersystem aufs Äußerste getrieben. Hier geschah es auch zum erstenmal wieder, daß sich- ein Häftling soweit vergaß, den andern zu prügeln. Doch zur Ehre vieler Kapos muß gesagt werden, daß sich nicht alle dem Dikatat Kapps und des#-Kommandoführers unterwarfen.

In dem Gelände des Garagenbaus befand sich auch die#/-Metzgerei. Daß hier ieder Häftling, der die Möglichkeit dazu hatte, sich etwas organisierte, war selbstverständlich. In eine Kiste hinter dem Hause wurden die ausgekochten Knochen geschüttet. Die daran noch haftenden Fleischreste verdarben sehr rasch. Daß sich trotzdem vor Hunger haltlos

15