Der Wille, alle Antifaschisten zu vernichten, kam in diesem ersten Kriegswinter besonders zum Ausdruck. Ende Dezember, bei der grimmigsten Kälte, wurden uns die Pullover ausgezogen. Das Essen war so schlecht und ungenießbar, daß es mit uns rapid bergab ging. Ohne Erbarmen mußten wir in unserer leichten Leinenkleidung bei klirrendem Frost in den Steinbruch marschieren. Nach starkem Schneefall war die Produktion gleich Null. Aber das war auch nicht das Entscheidende. Es kam darauf an, daß die Häftlinge nie zur Ruhe kamen und am Abend wieder einige ., abgeschrieben" werden konnten. Im Wiener Graben waren jeden Tag Tote zu beklagen. Um nur ein beliebiges Tagesbeispiel zu geben: mit 1000 Mann wurde ausgerückt, 200 mußten davon abends nach Hause getragen werden, weil sie nicht mehr fähig waren, auf ihren eigenen Füßen zu stehen, 25 wurden als Leichen nach Hause gebracht.
Von den 200 Erschöpften, nach dem Lager Geschleppten, erblickten viele das Tageslicht am anderen Morgen nicht mehr. Der Rest wurde wieder zur Arbeit getrieben, und mancher, den beim neuen Anblick des Steinbruchs die Verzweiflung erfaßte, kürzte durch einen Sprung über die senkrechte Felswand sein Leiden ab.
Das völlig unzureichende Essen, die grimmige Kälte, die schlechte Kleidung, die brutale Behandlung, alles half zusammen, um aus Mauthausen ein Todeslager im wahrsten Sinne des Wortes zu machen. In jeder Baracke wurden die Toten täglich im Waschraum aufgehäuft, und der einzige Gedankenaustausch, der jetzt noch möglich war, lautete: ,, Wann werde ich oder du hier liegen?"
Viele bezichtigten sich selbst, einen noch unaufgeklärten Mord oder einen Einbruch begangen zu haben, um von hier weg in ein Gefängnis zu kommen.
In unserer Baracke, in der die ,, Zweitmaligen" untergebracht waren, war die Solidarität noch am ausgeprägtesten erhalten. Am Weihnachtsabend wurde eine kleine Feier veranstaltet und zum Ausdruck gebracht, daß sich auch uns die Sonne wieder zuwenden werde. Von unserer kargen Brotzuteilung wurden für die völlig entkräfteten Kameraden 80 Brote gesammelt, um diese, unsere Schwächsten, vor dem Hungertode zu retten. Bei vollen Tischen von seinem Überfluß abzugeben, ist kein Opfer, sondern ein Almosen. Unter diesen Bedingungen auch nur eine Krume zu opfern, grenzte an Selbstaufgabe.
Die Hölle von Dachau erschien uns damals als Paradies. Die bei Gefangenen immer wiederkehrende Frage: ,, Wann kommen wir nach Hause?" war verstummt. Man hörte nur noch: ,, Wann kommen wir zurück nach Dachau ?" Wie der Ertrinkende an einen Strohhalm, so klammerten wir uns an die Parole: Der halbfertige Garagenbau für die 44Truppen in Dachau muß schnellstens beendigt werden, deswegen kommen wir wieder zurück.
Dies wurde schließlich auch zur Tatsache. Aber von 147 Häftlingen aus der Strafkompagnie, die mit uns von Dachau kamen, konnten im
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