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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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könne. Ich weiß nicht, ob Aumeier die Gefangenen jemals anders als mit ,, Dreckhammel" ,,, Drecksau" und ähnlichen Ausdrücken ange­sprochen hat, gehört habe ich aus seinem Munde nur diese. Seine be­sondere Wut galt den Kranken, die sich beim Abendappell zur ärzt­lichen Untersuchung meldeten. Als im Dezember der Krankenstand rapid anschwoll, drohte er, daß er diese Sauhunde nach seiner Methode kurieren werde. Es kam nicht mehr dazu, denn noch am gleichen Tage wurde der Ausbruch einer Ruhrepidemie festgestellt und der Lager­führer ließ sich bis zum Erlöschen jeder Ansteckungsgefahr nicht mehr blicken.

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Die Arbeit, die den meisten politischen Gefangenen im Steinbruch zu­fiel, war der ,, Abraum". Zwei Steilhänge, wo später Granit gebrochen werden sollte, mußten von uns abgeräumt" werden, das heißt, wir hatten zuerst den Waldboden, dann eine oft mehrere Meter starke, mit Steinblöcken durchsetzte Lehm- und Sandschichte und schließlich noch eine Schichte mürben Gesteins abzutragen, bis der brauchbare Granit bloßlag.

Dieser ,, Abraum" mußte ausschließlich mit Schaufel und Pickel, und zwar mit altem, kaum mehr brauchbarem Werkzeug durchgeführt werden. Es gab nicht die geringsten maschinellen Einrichtungen. Zwei kleine Seilschwebebahnen zum Abtransport der Schuttmassen in die Tiefe wurden wohl mit einem gewaltigen Aufwand an Geschrei und Arbeitskräften gebaut, funktionierten aber nur einige Tage und waren dann unbrauchbar. So standen wir also in mehreren Reihen überein­ander auf den Steilhängen, hoben das Erdreich und schaufelten es über die Hänge hinunter. Erdschollen, Steine, Wurzeln und manchmal ganze Granitblöcke setzten sich in Bewegung, kollerten über den Hang und fielen den unteren Arbeitspartien auf die Köpfe. Die Schimpf­worte, die von unten nach oben und natürlich von oben zurück ge­schleudert wurden, übertönten das Geschrei der Vorarbeiter und der SS - Chargen. Das ohrenbetäubende Knattern der Preßluftbohrer und die schrillen Pfiffe vom Hebekran im alten Steinbruch vollendeten diese Symphonie der Sklavenarbeit.

Früh kam ein winterlicher Herbst und der Steinbruch war allen Stürmen ausgesetzt. Wir hatten noch keine Mäntel, nur einen zer­schlissenen Pullover unter der dünnen Bluse. Auch das war der Lager­führung noch zu viel. Eines Abends, nach dem Appell, mußten wir in

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