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Nacht über Deutschland : Erinnerungen an Dachau ; ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Dritten Reiches ; aus dem literarischen Nachlaß / von Walter Adam
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Krankheiten, die von einem Laien nicht ohne weiteres erkennbar sind, wurden grundsätzlich nicht anerkannt. Ich kann als Beispiel für tausend andere Fälle eine kleine persönliche Erinnerung einfügen. Im Frühjahr 1940 litt ich nach überstandener Ruhr an Herzschwäche und allgemeiner Körperschwäche, meine Füße waren angeschwollen, mein Körpergewicht, das normal 80 Kilogramm betragen hatte, war auf 51 Kilogramm gesunken. Als ich mich zum Arzt meldete, brüllte mir SS- Hauptsturmführer Zill als Lagerführer folgenden Bescheid zu: ,, Herzschwäche? Herzschwäche? Habe ich auch einmal gehabt! Habe Sport getrieben und viel Zigaretten geraucht und gut war es! Abhauen!"

Die zum Arzt zugelassenen Kranken wurden nach dem Abendappell ins Spital geführt und dort für die Untersuchung am nächsten Morgen vorgemerkt. Wenn sie dann endlich vor den Arzt kamen, wurden die Schwerstkranken in das Spital aufgenommen, andere der ambulato­rischen Behandlung überwiesen, viele ganz weggeschickt oder für kurze Zeit vom Arbeitszwang befreit.

Bei dieser Methode war es unvermeidlich, daß kleine Verletzungen, wie sie bei Schwerarbeiten fast täglich vorkommen, ohne sachgemäße Behandlung blieben und daher nicht selten böse Formen annahmen. Innere Erkrankungen, Fieber, Erkältungen und so weiter mußten die Häftlinge meist ohne Hilfe überwinden, bis sie entweder von selbst gesund wurden oder zusammenbrachen. Das erste österreichische Opfer dieser Art war Baron Remiz. Er hatte das Unglück, am Fuschlsee bei Salzburg ein schön gelegenes Schloß zu besitzen, das der Reichsaußen­minister von Ribbentrop haben wollte und auch bekam. Der recht­mäßige Besitzer wäre in Freiheit unbequem gewesen, man sperrte ihn daher wegen monarchistischer Gesinnung nach Dachau . Er erkrankte an Lungenentzündung, kam viel zu spät in Behandlung und starb. In einem Bett ober mir kämpfte anfangs 1939 der frühere Landeshaupt­mann des Burgenlandes, Ingenieur Sylvester, seinen Todeskampf. Er hatte sich eine Gehirnhautentzündung zugezogen, wurde aber nicht ins Spital aufgenommen und lag einige Tage fieberglühend und ohne Pflege in der überfüllten Stube. Eines Nachts begann er zu delirieren, wurde nun von Häftlingen auf ihre Verantwortung doch ins Spital geschafft und ist dort nach einigen Stunden gestorben.

Die Spitalszimmer unterschieden sich von den anderen Häftlingsräumen nur dadurch, daß die Betten in zwei, statt in drei Stockwerken auf­

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