Kleidern gekennzeichnet- mußten zeitweilig bis zu zehn Stunden im Tag einen etwa zwanzig Kilogramm schweren Stein hin und her tragen, immer auf der gleichen, von SS - Unteroffizieren scharf bewachten Wegstrecke. Dabei genügte irgendeine harmlose Bemerkung, um einen Gefangenen fluchtverdächtig zu machen.
Ungezählte Male ereigneten sich ,, Erschießungen auf der Flucht". Dies geschah in der Weise, daß Häftlinge auf ihrem Arbeitsplatz den Auftrag erhielten, über die Sperrkette der Bewachungsposten hinauszugehen. Taten sie es, dann wurden sie niedergeknallt. Auf meinem Arbeitsplatz wurden einmal binnen sechs Wochen etwa 42 Juden auf diese Weise ermordet. Das Überschreiten der Postenkette war übrigens auch eine Methode des Selbstmordes für Leute, die man während der Arbeit durch Mißhandlungen und Schikanen zur Verzweiflung getrieben hatte.
In Flossenbürg habe ich einmal eine solche ,, Erschießung auf der Flucht" auf eine Entfernung von höchstens fünfzig Metern mitangesehen. Einem Gefangenen, der aus dem Lager zum Steinbruch geführt wurde, wurde mit einem Wink bedeutet, er solle nicht zum Arbeitsplatz abbiegen, sondern geradeaus weitergehen. Dadurch hatte er die Postenkette überschritten. Der begleitende SS - Unteroffizier gab ihm nun sofort zwei Schüsse in den Rücken. Der Unglückliche schlug nicht gleich hin, sondern taumelte mit grotesken Bewegungen weiter, zur schallenden Heiterkeit seiner Henker. Erst ein dritter Schuß streckte ihn zu Boden. Wenige Minuten später erschien bereits die Lagerkommission unter Führung des SS - Hauptsturmführers Aumaier,- der Mord muß also vom Lagerführer bestellt gewesen sein. Die Herren dieser Kommission unterhielten sich vor der Leiche so vortrefflich, daß ich ihr Gelächter bis zu meinem Arbeitsplatz hören konnte. Im Steinbruch zu Flossenbürg gab es eine besondere Strafe, deren Scheußlichkeit wohl nur der ganz erfassen kann, der sie selbst mitgemacht hat. Auf einem sehr steilen, morastigen, mit Steinblöcken besäten Hang war ein Kreis von ungefähr zwanzig Metern Durchmesser abgesteckt. Um diesen Kreis mußten die verurteilten Gefangenen, beladen mit einem schweren Stein, herumgehen, hinauf, hinunter, stundenlang, von Tagesanbruch bis zur Mittagspause und dann wieder bis zum Einbruch der Dunkelheit, ohne Rast, ohne Pause. In der Mitte des Kreises stand ein Häftling, ein Berufsverbrecher und williger Bundesgenosse der SS. Er war mit einem schweren Prügel bewaffnet
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