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Lagerstrafen
Im Lager gab es hauptsächlich drei Strafarten, die in aller Form ver- hängt und vollzogen wurden: die Prügelstrafe, das Anbinden an einen Pfahl und Arrest. Geringere Strafen, wie Fasten, Stillstehen während
der Arbeitspausen und dergleichen, wurden seltener und zeitweise gar
nicht verhängt.
Die Prügelstrafe wurde in der Weise vollzogen, daß der Häftling über einen hölzernen Bock gelegt und dann von zwei ausgesucht kräftigen SS -Unteroffizieren mit Ochsenziemern auf das Gesäß und die Lenden- gegend geschlagen wurde. Zumeist wurden 25 Schläge zudiktiert, aber so, daß jeder der zwei SS -Männer fünfundzwanzigmal zu schlagen hatte, der Häftling also nicht weniger als fünfzig Hiebe empfing. Die Schläge wurden mit äußerster Wucht geführt, so daß der Verurteilte sogleich Haut- und Fleischwunden, manchmal auch innere Verletzun- gen davon trug. Mancher Verurteilte ist an den Folgen der Exekution gestorben, darunter ein holländischer Priester. Nach der Exekution wurde der Häftling für acht Tage bei Wasser und Brot in den Arrest gesperrt, so daß er keine Gelegenheit hatte, seine Verletzungen zu pflegen.
Zu Beginn des Jahres 1938 wurde die Prügelstrafe noch unter be- sonderen Formalitäten vollzogen. Das Lager hatte anzutreten, ein Zug SS marschierte auf, das Urteil wurde feierlich verlesen. Später, als die Anwendung der Prügelstrafe immer häufiger wurde, verzichtete man auf alle Formalitäten und prügelte reihenweise im Hof der Arrest- baracke oder im Baderaum. An den Vollzug einer Prügelstrafe zu Weihnachten 1940 erinnere ich mich ganz besonders. Vor dem Wirt- schaftsgebäude hatten Häftlinge eine hohe Tanne aufgestellt und mit elektrischen Lampen besteckt. Unter diesem Weihnachtsbaum ließ der Lagerführer den Bock aufstellen und drei Gefangene'mit den Ochsen- ziemern bearbeiten. Einer von ihnen mußte auf einer Bahre in den Arrest getragen werden. Seit diesem Tage ist mir die Stimmung unter einem deutschen Weihnachtsbaum vergällt.
Beim Anbinden an den Pfahl wurden dem Häftling die Handgelenke über dem Rücken mit einer dünnen Kette straff zusammengefesselt. An dieser Kette wurde er dann hochgezogen und auf einem im Pfahl
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